Müllermeyerschmidt
Ballett ist schwul – Jungs mit Ballettunterricht werden schief angeschaut. Obwohl die Heterosexuellen in den Tanzkompanien die überwiegende Mehrheit bilden. Deutsche Jungs fürchten Homophobie – hat sich denn über die Jahre nichts geändert?
Das wollte Benno Gammerl wissen, Gender-Professor im schönen Florenz.
In den Jahren 2008 und 2009 hat er 32 Frauen und Männer befragt, die ihresgleichen begehren: «In den 1980er- und 1990er-Jahren, als die Akzeptanz sexueller Vielfalt zunahm, kamen sie ihren Partner*innen unter ganz anderen Bedingungen näher als die älteren Gesprächspartner*innen in den Zeiten ausgeprägter Stigmatisierung.» Und ausgerechnet mit seiner ältesten «Erzählperson» gerät der Autor aneinander. Diese ist 40 Jahre älter als er und saß mal an Adenauers Kaffeetafel, wo unvoreingenommen über Homosexualität gesprochen wurde, während die Regierung den § 175 zementierte. «Herr Schumann» sieht in seinen Gefühlen den leitenden Impuls seines Handelns, während der Wissenschaftler dem «konstruktionistischen Paradigma» anhängt: Er hält Gefühle für von der Gesellschaft vorgeprägt. Seine sicheren Gefühle halfen «Herrn Schumann», auch in der «Phase des Ausweichens», wie Gammerl sie ...
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Tanz Juni 2021
Rubrik: Queerness, Seite 24
von Bernd Feuchtner
Kiels Ballettdirektor Yaroslav Ivanenko versteht sich auf zerrissene Helden der Weltliteratur. Nach «Eugen Onegin» (tanz 12/19) hat er sich nun Oscar Wildes «Das Bildnis des Dorian Gray» vorgenommen – heißt: Bereits im Herbst sollte die Inszenierung herauskommen, was die Pandemie vereitelt hat. Im Februar hat das Stück dann immerhin die Feuertaufe der Generalprobe...
«Berührung ist eine Sprache, die wir beide sehr gut sprechen», bekunden Lucy Wilke und Paweł Duduś in ihrer Performance «Scores that shaped our friendship» (tanz 5/21). Nachsatz: «In German I make mistakes» – Duduś’ Erstsprache ist Polnisch. Aber um Einschränkungen, die behoben werden müssten, um miteinander Peer sein zu können, geht es gerade nicht. Sondern um...
Eine Ballettfestwoche im Zeichen von 30 Jahren Bayerisches Staatsballett – das ist schon eine Uraufführung wert. Andrey Kaydanovskiy, nach zwei Würfen Hauschoreograf der Kompanie, durfte ran. Er gehört zur heute seltenen Choreografen-Spezies, die erzählen will. Und er kann es – wenn auch nicht nach gewohnten Konventionen. Er wählte für sein erstes abendfüllendes...
