Müllermeyerschmidt
Ballett ist schwul – Jungs mit Ballettunterricht werden schief angeschaut. Obwohl die Heterosexuellen in den Tanzkompanien die überwiegende Mehrheit bilden. Deutsche Jungs fürchten Homophobie – hat sich denn über die Jahre nichts geändert?
Das wollte Benno Gammerl wissen, Gender-Professor im schönen Florenz.
In den Jahren 2008 und 2009 hat er 32 Frauen und Männer befragt, die ihresgleichen begehren: «In den 1980er- und 1990er-Jahren, als die Akzeptanz sexueller Vielfalt zunahm, kamen sie ihren Partner*innen unter ganz anderen Bedingungen näher als die älteren Gesprächspartner*innen in den Zeiten ausgeprägter Stigmatisierung.» Und ausgerechnet mit seiner ältesten «Erzählperson» gerät der Autor aneinander. Diese ist 40 Jahre älter als er und saß mal an Adenauers Kaffeetafel, wo unvoreingenommen über Homosexualität gesprochen wurde, während die Regierung den § 175 zementierte. «Herr Schumann» sieht in seinen Gefühlen den leitenden Impuls seines Handelns, während der Wissenschaftler dem «konstruktionistischen Paradigma» anhängt: Er hält Gefühle für von der Gesellschaft vorgeprägt. Seine sicheren Gefühle halfen «Herrn Schumann», auch in der «Phase des Ausweichens», wie Gammerl sie ...
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Tanz Juni 2021
Rubrik: Queerness, Seite 24
von Bernd Feuchtner
Roman
MOI, TAMARA KARSAVINA
Ihr Leben liest sich wie eine Steilvorlage für Hollywood: Tamara Karsawina (1885 – 1978) war das weibliche Aushängeschild der Ballets Russes und zog alle Blicke auf sich – auf der Bühne und nach Premieren von Highlights wie «Schéhérazade» oder «L’Oiseau de feu». Die Tänzerin führte eine ultramondäne Existenz, erst in Sankt Petersburg,...
Philippe Kratz betrachtet jede Kreation als Fortentwicklung der Tanzkunst und weiteren Schritt auf dem Weg künstlerischer Selbsterkenntnis. Während unserer Skype-Konversation, die der gebürtige Leverkusener in geschliffenem Italienisch bestreitet, macht er dies mit einer Dringlichkeit deutlich, die seinen wachen Intellekt unterstreicht. Der blitzt auch in seinen...
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