Müllermeyerschmidt

Queere Menschen erzählen in zwei neuen Büchern von ihren Erfahrungen. Gelesen hat sie Bernd Feuchtner

Ballett ist schwul – Jungs mit Ballettunterricht werden schief angeschaut. Obwohl die Heterosexuellen in den Tanzkompanien die überwiegende Mehrheit bilden. Deutsche Jungs fürchten Homophobie – hat sich denn über die Jahre nichts geändert?

Das wollte Benno Gammerl wissen, Gender-Professor im schönen Florenz.

In den Jahren 2008 und 2009 hat er 32 Frauen und Männer befragt, die ihresgleichen begehren: «In den 1980er- und 1990er-Jahren, als die Akzeptanz sexueller Vielfalt zunahm, kamen sie ihren Partner*innen unter ganz anderen Bedingungen näher als die älteren Gesprächspartner*innen in den Zeiten ausgeprägter Stigmatisierung.» Und ausgerechnet mit seiner ältesten «Erzählperson» gerät der Autor aneinander. Diese ist 40 Jahre älter als er und saß mal an Adenauers Kaffeetafel, wo unvoreingenommen über Homosexualität gesprochen wurde, während die Regierung den § 175 zementierte. «Herr Schumann» sieht in seinen Gefühlen den leitenden Impuls seines Handelns, während der Wissenschaftler dem «konstruktionistischen Paradigma» anhängt: Er hält Gefühle für von der Gesellschaft vorgeprägt. Seine sicheren Gefühle halfen «Herrn Schumann», auch in der «Phase des Ausweichens», wie Gammerl sie ...

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Tanz Juni 2021
Rubrik: Queerness, Seite 24
von Bernd Feuchtner

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