Theater der Vielfalt
Paris hat, ohne Witz, zwei Treppen, die eine Reise wert sind. Die erste führt hinauf zu Sacré-Cœur und wird bei Schneefall gern als urbane Skipiste benutzt. Die zweite befindet sich im Ostflügel des Palais de Chaillot und ist mit Marmor ausgelegt. Dort steigt man hinab ins Foyer des Theaters und erblickt linker Hand eine Skulptur des kongolesischen Künstlers Freddy Tsimba: der Körper einer Frau, zusammengeschweißt aus leeren Patronenhülsen, aufgesammelt in Kriegsgebieten im Kongo.
Das Werk steht für das Engagement des Chaillot-Theaters für Menschenrechte und ethnische Vielfalt, angestoßen von Didier Deschamps, der 2011 die Leitung des Hauses übernahm. Nun reicht er die Verantwortung weiter an jenen Choreografen, der seit 2016 zusammen mit Yoann Bourgeois das Centre chorégraphique national in Grenoble geleitet hat: Rachid Ouramdane. Der Fünfzigjährige proklamiert ein erweitertes «théâtre des diversités», das alle Arten des Andersseins meint: kulturell, ethnisch, sozial, körperlich. Seit mehr als einem Jahrzehnt steht Ouramdane für choreografische Porträts, in denen Alterität bis hin zu Verhaltensstörungen oder Behinderung eine poetisch-graziöse Aura entwickelt. Doch die Stücke sind ...
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Tanz Juni 2021
Rubrik: Menschen, Seite 30
von Thomas Hahn
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