Die Schallers

Das malerische Altenburg beherbergt die älteste Tanzschule Deutschlands: ein krisenerprobtes Familienunternehmen in der fünften Generation. Zu Besuch war Dorion Weickmann

Kindheit wie aus dem Bilderbuch: «Morgens um halb sieben sind wir mit Oma Lilo in den Tanzsaal, haben die Musik aufgedreht und uns ausgetobt – in Paillettenkleidern aus ihrem Schrank. Egal, wie teuer die Stücke waren, wir durften alles haben!» Henriette Schaller sekundiert ihrer Schwester Therese: «Genauso war’s, eigentlich hatten wir jeden Tag Fasching.» Überhaupt wurde für die zwei «Tanzschultöchter» schon mal das eine oder andere Auge zugedrückt. In der Pauke zum Beispiel, hatten doch die meisten Lehrer bei den Eltern, der vierten Schaller-Generation, das Tanzen gelernt.

Genau genommen dürften die Altenburger seit 182 Jahren fast vollzählig von Familie Schaller tanzsozialisiert worden sein. Am 12. September 1839 gründete Urahn Friedrich, eigentlich auf «Fechten, Reiten, Turnen, Gymnastik» spezialisiert, das Geschäft. Aufgeschrieben hat das der Heimathistoriker Karl-Heinz Gehlauf in seinem 1999 veröffentlichten Büchlein «Tanz im Ernst und Wandel der Zeiten», einer Art Chronik der Schaller’schen Unternehmung seit ihren Anfängen.

Friedrich Schaller entwickelt sich zum tüchtigen Tanzmeister, der die – seitdem in Familienbesitz befindliche – Geige zu spielen weiß und häufig über ...

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Tanz Juni 2021
Rubrik: Traditionen, Seite 46
von Dorion Weickmann

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