Mr. Dynamite
Was für Galoschen! Knöchelhoch abgewetzt, sagenhaft ausgelatscht und mit vorne heraushängender Zunge sehen sie aus, als kämen sie direkt aus irgendeiner Museumsvitrine. Der Zahn der Zeit hat die seitlich aufgedruckten Logos derart abgenagt, dass sie aus zwei, drei Metern Abstand nicht mehr zu entziffern sind. Das abgeschlunzte Schuhwerk erzählt viel über den Mann, der darin steckt: Aleix Martínez ist ein Arbeitstier. Und gehört zu der Spezies, die lustvoll ackert. «Na ja, zwei Wochen Auszeit im Sommer sind schon drin», wird er später beim Gespräch erzählen.
Vorerst surrt er hier, im Petipa-Saal des Hamburger Ballettzentrums, wie ein Brummkreisel herum. Schließlich hat er eine knifflige Aufgabe übernommen: «Shakespeare – Sonette» heißt der dreiteilige Abend, den er gemeinsam mit zwei Kollegen zum Auftakt der «Hamburger Ballett-Tage» herausbringen wird. Ein ziemlich gewagtes Unterfangen angesichts der Tatsache, dass das choreografische Nachwuchs-Trio die Riesenbühne der Dammtor-Oper bespielen und dabei das Publikum restlos überzeugen muss. Wie sollen die Hanseaten sonst den Bruch mit der liebgewordenen Gewohnheit verkraften, dass dieses Festival prinzipiell vom Ballettchef ...
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Tanz Juni 2019
Rubrik: Menschen, Seite 18
von Dorion Weickmann
So lautet die olympische Devise. Sie gilt aber nur für Athleten, deren Disziplin bei Olympia zugelassen ist. Andere hoffen seit Ewigkeiten, eines -Tages die Olympia-Lizenz zu kriegen. Der Tanzsport zum Beispiel. Aber olympisch getanzt wird nur auf dem Eis, im Winter. Das könnte sich 2024 ändern. Dann finden die Sommerspiele in Paris statt, und Frankreich ist stolz...
Ende des Monats ist es wieder so weit: -Fedora, getragen vom European Circle of Philanthropists of Opera and Ballet, ruft zur Preisverleihung nach Venedig. Eine Opern- und eine Ballettproduktion werden die glücklichen Gewinner sein und erkleckliche Beträge einstreichen. Der Name Fedora taucht zwar immer mal auf, aber wer und was verbirgt sich eigentlich dahinter? ...
Das Schöne an Hochhäusern ist der Ausblick. Doch in dem Hochhaus in Essen, an das ich denke, gab es keinen Ausblick. Da gab es ein Kulturdezernat und einen Sitzungsraum; dort haben wir uns zum ersten Mal die Hand gegeben. Vor Jahrzehnten, aber jeder erinnert sich an Momente, die sich einbrennen, selbst in einem Kulturdezernat.
Als sie hereinkam, schleppte sie eine...
