Mr. Dynamite

Andere treten einfach auf, er schießt wie ein Feuerwerkskörper auf die Bühne: Der Tänzer Aleix Martínez ist eine Naturgewalt. Was passiert, wenn er choreografiert? Ein Probenbesuch vor der Eröffnung der «Hamburger Ballett-Tage»

Was für Galoschen! Knöchelhoch abgewetzt, sagenhaft ausgelatscht und mit vorne heraushängender Zunge sehen sie aus, als kämen sie direkt aus irgendeiner Museumsvitrine. Der Zahn der Zeit hat die seitlich aufgedruckten Logos derart abgenagt, dass sie aus zwei, drei Metern Abstand nicht mehr zu entziffern sind. Das abgeschlunzte Schuhwerk erzählt viel über den Mann, der darin steckt: Aleix Martínez ist ein Arbeitstier. Und gehört zu der Spezies, die lustvoll ackert. «Na ja, zwei Wochen Auszeit im Sommer sind schon drin», wird er später beim Gespräch erzählen.

Vorerst surrt er hier, im Petipa-Saal des Hamburger Ballettzentrums, wie ein Brummkreisel herum. Schließlich hat er eine knifflige Aufgabe übernommen: «Shakespeare – Sonette» heißt der dreiteilige Abend, den er gemeinsam mit zwei Kollegen zum Auftakt der «Hamburger Ballett-Tage» herausbringen wird. Ein ziemlich gewagtes Unterfangen angesichts der Tatsache, dass das choreografische Nachwuchs-Trio die Riesenbühne der Dammtor-Oper bespielen und dabei das Publikum restlos überzeugen muss. Wie sollen die Hanseaten sonst den Bruch mit der liebgewordenen Gewohnheit verkraften, dass dieses Festival prinzipiell vom Ballettchef ...

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Tanz Juni 2019
Rubrik: Menschen, Seite 18
von Dorion Weickmann