Die Dame aus den Regensümpfen

Vor zehn Jahren, am 30. Juni 2009, starb Pina Bausch, die weltberühmte Choreografin und Gründerin des Tanztheater Wuppertal. Einer, der sie gut gekannt und viel für ihre Arbeit getan hat, ist der Verleger Rudolf Rach. Er erinnert sich – und schaut besorgt auf ihr einzigartiges Werk

Das Schöne an Hochhäusern ist der Ausblick. Doch in dem Hochhaus in Essen, an das ich denke, gab es keinen Ausblick. Da gab es ein Kulturdezernat und einen Sitzungsraum; dort haben wir uns zum ersten Mal die Hand gegeben. Vor Jahrzehnten, aber jeder erinnert sich an Momente, die sich einbrennen, selbst in einem Kulturdezernat.

Als sie hereinkam, schleppte sie eine dicke Aktentasche mit sich. Trug weite Hosen und schwere Stiefel, und nachdem sie sich zu uns an den Besprechungstisch gesetzt hatte, nestelte sie an ihrem Pferdeschwanz.

Nichts mehr von dem Cover-Girl der Sechziger, das man auf den Fotografien von Walter Vogel sieht. Eher eine sehr anziehende Nonne. Das Thema der Sitzung war aufregend, denn es ging darum, Pina Bausch und ihr Ensemble an die Bühnen in Essen zu binden. Das Tanztheater sollte dort nicht nur gastieren, sondern es war eine feste Zusammenarbeit zwischen den Balletten in Essen und Wuppertal geplant.

Der Essener Ballettdirektor, ein drahtiger Mann, dem die schwarz gefärbten Haare streng am Schädel klebten, galt als Garant für die Unvergänglichkeit des klassischen Balletts. Boris Pilato hieß er. Ein leutseliger Mann mit angenehmen Manieren, wenn nur die ...

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Tanz Juni 2019
Rubrik: Menschen, Seite 28
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