Paradies an der Isar
Copy & Paste: Was Wissenschaftlern und Politikern gelegentlich zum Fallstrick wird, das macht der Tänzer und Choreograf Moritz Ostruschnjak zur Grundlage seiner Kunst. Zum Beispiel bat er den Tänzer Daniel Conant, für dessen Solo «Tanzanweisungen» (tanz 3/22) im Netz zusammenzusuchen, was er tanzen würde. Es kamen 200 Lieblingstanzmomente zusammen, wie vereinbart keiner länger als drei Sekunden.
Die «Tanzanweisungen», das ist ein bis zur Erschöpfung überdrehtes, hypermotorisches Tanzexerzitium samt zwangsweiser Ruhepause, welches hie und da in einem gerade noch verhinderten Hitlergruß gipfelt: Tanz den Mussolini, tanz den Adolf Hitler, tanz den Jesus Christus. Das singt die Gruppe DAF dazu. «Das schafft keinen historischen Hintergrund, sondern eine Gleichzeitigkeit, die nicht existiert», erklärt Ostruschnjak, sozusagen «eine Nivellierung von Geschichte».
Ostruschnjak lässt den ausgestellten gesellschaftlichen Widerspruch unkommentiert stehen. Er bildet ab, was er wahrnimmt und fokussiert Gegensätzliches aus der Fülle dessen, was ist. Ein Zufallsspiel, freilich penibel als komprimiertes Abbild der aktuellen Wirklichkeit inszeniert. Bei den Pop-ups im Hintergrund in «Unstern» (tanz ...
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Tanz 6 2022
Rubrik: Menschen, Seite 26
von Eva-Elisabeth Fischer
Spoiler: Desdemona ist am Ende tot. Amilcar Moret Gonzalez stellt das Schlussbild an den Beginn seiner «Othello 2.0»-Choreografie, im Video sieht man, wie der Titelheld (Pedro Pires) den Körper seiner getöten Frau (Marina Kadyrkulova) in den Armen hält, ein Mörder, in dessen Gesicht sich das Entsetzen über seine Tat abspielt. Die Bilder überlagern sich, die...
salzburg, montpellier
sommerfestivals
Die Salzburger «Sommerszene» ist ein herrliches Sprungbrett in den Festivalsommer: immer erfrischend und fein kuratiert. So auch in diesem Jahr, finden sich doch Choreografen wie Moritz Ostruschnjak (S. 26), Jan Martens und Lia Rodrigues mit ihren Arbeiten ein: kleine bis mittlere Formate, die künstlerisch große Nummern...
Sieben hochkarätige Ko-Produzenten haben das Gastspiel «Das Frühlingsopfer / common ground(s)» gestemmt, das Pina Bauschs choreografisches Vermächtnis aus dem Senegal nach Europa zurückholt: mit 38 schwarzen Tänzerinnen und Tänzern unterschiedlichster Prägung, die in drei Auditions in Burkina Faso, Elfenbeinküste und Senegal ausgewählt und von einem achtköpfigen...
