Moritz Ostruschnjak «Rabbit Hole»
Die Muffathalle ist voll, die Erwartungen sind groß: Auf dem Programm steht zur Festivaleröffnung der Tanzbiennale «DANCE» in München – der sechsten und damit letzten Ausgabe unter der Leitung von Nina Hümpel – ein neuer Ostruschnjak. Seit nunmehr zehn Jahren in München, hat sich der ehemalige Breakdancer Moritz Ostruschnjak, ein gesellschaftskritischer Kopf und in seiner Ästhetik knallhart am Puls der Zeit, choreografierend, als Lokalmatador mit internationalem Ruf etabliert.
Für jedes Stück fischen seine Tänzer ihre thematisch eingegrenzten Moves aus dem Netz, werden fündig bei TikTok, Facebook und Instagram. Sie spiegeln ruckend und zuckend und im Rückwärtsgang auf der Basis ihrer Trouvaillen eine digitale Welt, in der sich das Publikum amüsiert, aber auch zutiefst erschrocken wiedererkennen kann.
Ostruschnjak also schöpft aus Vorhandenem. Bisher erstaunte jedes neue Stück und begeisterte als ein elaboriertes Puzzleteil in einem sich ständig erweiternden Bild (politisch) wacher Zeitgenossenschaft aus diversen Perspektiven. Da agiert ein einsamer Mensch als leibhaftiger Roboter in den «Tanzanweisungen». In «Yester:Now» springen Tänzerinnen und Tänzer über leere Zuschauerreihen, ...
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Tanz Juli 2023
Rubrik: Kalender, Seite 39
von Eva-Elisabeth Fischer
Li galli hat er im Rücken, den lieben langen Tag. Sieht er schon gar nicht mehr, die Schönheit, die hingegossen wie eine Nixe mit Najaden-Gefolge im Mittelmeer lagert, nordwestlich von Positano. Ob er weiß, dass der kleine Archipel ein historischer Ort ist? Der Eisverkäufer, dessen Bude sich in eine Straßenbucht über der steil abfallenden Küste schmiegt, rollt mit...
Skurrile, karnevaleske Kostüme und Schminke sind typisch für die Figuren in den Stücken der von den Kapverden stammenden portugiesischen Choreografin Marlene Monteiro Freitas. Es sind Gestalten, die sich oft in höchster Anspannung bewegen, mit verzerrten Gesichtern, eckigen Gesten und hampelnden Schritten. Das war bereits 2010 in dem Solo «Guintche» so, und es...
«Ich bin immer einer für den Saal gewesen.» Das sagt Martin Schläpfer an diesem sonnigen Frühlingstag in der kleinen Küche des Ballettbüros an der Wiener Staatsoper. Und Heinz Spoerli nickt. Er nickt, weil er den Direktor des Wiener Staatsballetts genau kennt, seit er ihn vor 45 Jahren als jungen Tänzer in sein Basler Ballett holte. Und er nickt, weil er die Arbeit...
