Bildertheater
Es gab eine Zeit, in der Künstler mit politischen Kommentaren und ästhetischen Statements, Wut oder Hohn auflagenstarke Illustrierte – Titel wie «Harper’s Weekly. Journal of Civilization», «The National. A Library for the People», «Journal pour Rire. Journal d’image comique, critique, satirique et moqueur» oder den «Simplicissimus» – dominierten.
Wie die goldene Zeit der Pressegrafik zwischen 1819 und 1921 aussah, und wie nah einander Bildende Kunst und Theater, Literatur und politisches Engagement einmal waren, zeigt ein großformatiger, prachtvoller und gewichtiger Band von Alexander Roob im «Taschen»-Verlag.
Dieser frühe Bildjournalismus ist scharf und konfrontativ: Neben investigativen Sozialreportagen und urbaner Ethnografie gibt es politisches Cartooning, grafische Humoresken sowie Genre-, Science Fiction- und Fantasy-Illustrationen. Die Zeichnungen sind hochdynamisch, ausdrucksstark und pointiert – ein choreografisches Bildertheater in Zeitschriftenformat. Auf den Seiten der Massen- und Boulevardmagazine in Europa und Nordamerika tanzen Karikaturen und Geschichten in großer stilistischer Flexibilität und breitem gestalterischen Spektrum.
Die genealogische Linie der ...
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Tanz Juli 2023
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Marina Dafova
Hat hier, was Bert Brecht einst beim Theaterpublikum sauer aufstieß, irgendjemand romantisch geglotzt? Im Zweifelsfall nicht. Denn für selige Verträumtheit war die klangliche Wucht des Blechs aus dem Orchestergraben im Gärtnerplatztheater doch zu massiv. Nun aber trägt Bruckners 4. Sinfonie ja den Beinamen «Die Romantische», was allen Bläserballungen samt Crescendi...
Triple Bills entwickeln sich zur bevorzugten Form von Antoine Jullys Ballettcompagnie Oldenburg. Der jüngste Abend unter dem etwas beliebig wirkenden Titel «Solarwinde» ist als große Neoklassik-Runde komponiert, mit der 2017er-Choreografie «Der Tod und das Mädchen» des Hausherrn, Hans van Manens «Frank Bridge Variations» von 2005, vor allem aber einer Uraufführung...
Tiefes Seufzen, sachtes Flüstern, leises Gebrabbel, aus dem dann und wann ein Laut herauszischt und in den Äther hineinsticht, wo er zu einer Art Ethnogesang gerinnt. Kein Orchester im Leipziger Opernhaus, stattdessen zwei Männer, Mikros und Akustikboxen, die eine Landschaft aus samtigen, sandigen, sirenenverführerischen und symphonischen Klängen bauen: Der...
