Mordswut
Skurrile, karnevaleske Kostüme und Schminke sind typisch für die Figuren in den Stücken der von den Kapverden stammenden portugiesischen Choreografin Marlene Monteiro Freitas. Es sind Gestalten, die sich oft in höchster Anspannung bewegen, mit verzerrten Gesichtern, eckigen Gesten und hampelnden Schritten.
Das war bereits 2010 in dem Solo «Guintche» so, und es zieht sich durch weitere Arbeiten wie «Of ivory and flesh – statues also suffer» (tanz 5/15), «Bacchae – Prelude to a Purge» (tanz 7/17) oder «Mal – Embriaguez Divina» (tanz 10/20).
Jetzt halten diese Figuren Einzug in die Oper und haben Ende Mai bei den «Wiener Festwochen», die für diese Uraufführung mit dem MusikTheater an der Wien kooperierten, für eine der vielleicht abgefahrensten Inszenierung von Alban Bergs «Lulu» gesorgt. Sie ist Freitas’ erste Musiktheater-Regie, und wenn man sich die Protagonistin dieses Stücks als Allegorie einer von Gier, Rücksichtslosigkeit und Narzissmus beherrschten Gesellschaft vorstellt, beantwortet sich die Frage, was die Choreografin an dieser Arbeit interessiert haben könnte, wie von selbst.
Verzauberung und Verzweiflung
«Lulu» ist ein Werk für die große Bühne. Wie die himmlische ...
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Tanz Juli 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Helmut Ploebst
Li galli hat er im Rücken, den lieben langen Tag. Sieht er schon gar nicht mehr, die Schönheit, die hingegossen wie eine Nixe mit Najaden-Gefolge im Mittelmeer lagert, nordwestlich von Positano. Ob er weiß, dass der kleine Archipel ein historischer Ort ist? Der Eisverkäufer, dessen Bude sich in eine Straßenbucht über der steil abfallenden Küste schmiegt, rollt mit...
«Ich bin immer einer für den Saal gewesen.» Das sagt Martin Schläpfer an diesem sonnigen Frühlingstag in der kleinen Küche des Ballettbüros an der Wiener Staatsoper. Und Heinz Spoerli nickt. Er nickt, weil er den Direktor des Wiener Staatsballetts genau kennt, seit er ihn vor 45 Jahren als jungen Tänzer in sein Basler Ballett holte. Und er nickt, weil er die Arbeit...
DIE 7 TODSÜNDEN
Es ist ein Coup, was Eric Gauthier da im vergangenen Jahr gelang: Sieben namhafte Choreograf*innen gestalten «Die 7 Todsünden» (tanz 6/22). Aszure Barton, Sidi Larbi Cherkaoui, Sharon Eyal & Gai Behar, Marco Goecke, Marcos Morau, Hofesh Shechter und Sasha Waltz lieferten jeweils ein Kapitel des sensationellen Abends, der dazu beitrug, dass die am...
