Antoine Jully/Hans van Manen «Solarwinde»

Oldenburg

Tanz - Logo

Triple Bills entwickeln sich zur bevorzugten Form von Antoine Jullys Ballettcompagnie Oldenburg. Der jüngste Abend unter dem etwas beliebig wirkenden Titel «Solarwinde» ist als große Neoklassik-Runde komponiert, mit der 2017er-Choreografie «Der Tod und das Mädchen» des Hausherrn, Hans van Manens «Frank Bridge Variations» von 2005, vor allem aber einer Uraufführung Jullys: «Der Feuervogel» zur Musik Igor Strawinskys.

Der Reiz dieses Zugriffs liegt in der Spannung zwischen romantischem Sentiment einerseits, Abstraktion andererseits – und in «Der Feuervogel» baut Jully diese Spannung nahezu mustergültig auf. Die vom Choreografen selbst gestaltete Bühne ist ein Nicht-Ort, leer, nur an der Seite hängen goldene Äpfel wie ein Mobile. Und im Zentrum leuchtet ein riesiges Fabergé-Ei – im russischen Volksmärchen hat der böse Zauberer Kaschtschej seine Seele in einem Ei eingesperrt und ist so fast unbesiegbar. Ei und Äpfel, das erinnert optisch beim flüchtigen Hinschauen an Mond und Sterne, und in die Undurchdringlichkeit und Leere des Firmaments hat Jully das Volksmärchen auch verlagert. Was ihm die Möglichkeit gibt, einzelne Bedeutungsspitzen einzuführen: In der Vorlage ist nur von einem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2023
Rubrik: Kalender, Seite 37
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Backlights 7/23

Köln 
KNOT ON HANDS «PASSING BY» 
Übersehen kann man Knot on Hands nicht, nicht einmal inmitten großer Menschenmengen. Hoch auf drei Etagen wuchten sich die drei Akrobat*innen aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Die ersten beiden Stockwerke bilden Tijs Bastiaens und Mario Kunzi, an dieser Zwei-Mann-Pyramide klettert Britt Timmermans hoch. Als menschliche...

Im Gebirge

Hat hier, was Bert Brecht einst beim Theaterpublikum sauer aufstieß, irgendjemand romantisch geglotzt? Im Zweifelsfall nicht. Denn für selige Verträumtheit war die klangliche Wucht des Blechs aus dem Orchestergraben im Gärtnerplatztheater doch zu massiv. Nun aber trägt Bruckners 4. Sinfonie ja den Beinamen «Die Romantische», was allen Bläserballungen samt Crescendi...

Auf Los

Johannes Wieland, was machen Sie gerade? 
Eigentlich mache ich genau das gleiche, was ich die letzten 40 Jahre gemacht habe – ich mache Stücke, jetzt freiberuflich, und ich kuratiere das Tanzfestival «b12» in Berlin. Bevor ich 2006 Tanzdirektor am Staatstheater Kassel wurde, habe ich ja auch freiberuflich gearbeitet, und auch in Kassel hatte ich mir vertraglich...