monaco: Jean-Christophe Maillot «Daphnis et Chloé»
Knapp hundert Musiker sitzen im Orchestergraben, dazu ein Chor. Auf der Bühne hat Jean-Christophe Maillot alles ausgespart, was vom eigentlichen Geschehen ablenken könnte. Nur Daphnis und Chloé sind zu sehen und auf dem abstrakten, weißen Dekor eine einzige Rötellinie, aus der sich, von unsichtbarer Hand gezeichnet, nach und nach das Bild einer nackten Frau entwickelt.
Eine Projektion im doppelten Sinn weckt sie die Neugier des Jungen – auch sie bleibt von der «Entdeckung» ihres weiblichen Körpers nicht unberührt: Ihr Atem beschleunigt sich, vor dem fremden Blick scheint sie auf einmal zu erschauern. Sich sinnlich zu erfahren, das ist etwas Aufregendes, Physisches. Sie bekniet ihn. Er schmiegt sich an sie. Der Kuss will aber so wenig gelingen wie der Trieb. Chloé, die Beine spreizend, bietet sich ihm willig dar. Doch als Daphnis sie wie ein Tier bespringt, ist nichtmal auf den Instinkt Verlass.
Das weiß auch der Direktor der Ballets de Monte-Carlo. Maillot bringt später zwei Erwachsene ins Spiel, die die education sentimentale von Daphnis und Chloé wenig selbstlos vorantreiben. Das Einfühlen in die Choreografie der beiden scheint ihre eigene Sexualität zu stimulieren. Der Austausch ...
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