Mitbestimmung
Januar 2026: Über 40 Tanzkünstler*innen und Projektleiter*innen aus ganz Deutschland sind nach Berlin gekommen. «Aktion Tanz – Bundesverband Tanz in Bildung und Gesellschaft e. V.» (BAT) hat zum Fachtag eingeladen. Nach mehreren Inputs und langem Sitzen ist es Zeit für eine spontane Bewegungseinheit. Musik braucht es nicht. Gliedmaßen werden geräkelt, gerieben und abgeklopft, Gesichter entspannt, gemeinsames Atmen erfüllt den Raum. Nach wenigen Minuten geht es weiter mit dem nächsten Beitrag. Die Stimmung ist gelöst. «Das hat gutgetan», heißt es mehrfach.
Aber Moment: Wirklich für alle? Ich selbst ertappe mich in solchen Situationen immer wieder bei kleinen Widerständen. Und eine Impulsgeberin gibt zu bedenken, dass viele der jungen Menschen aus ihren Tanzprojekten den Raum wohl fluchtartig verlassen hätten, wenn sie einem solchen Bewegungsangebot «ausgesetzt» gewesen wären. «Das ist doch kein Tanz», würde es vermutlich heißen. Neu ist diese Erkenntnis nicht. Aber sie verweist auf eine zentrale Frage: Wer bestimmt eigentlich, was Tanz ist?
Tanz gilt als universelles Phänomen – und ist doch in seinen Formen, Bedeutungen und Zugängen hochgradig vielfältig. Ein Tanzraum ist deshalb ...
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Tanz Jahrbuch 2026
Rubrik: Komplizen, Seite 56
von Martina Kessel
Die Namensliste dieser neuen Compagnie liest sich wie ein Who’s who der Ballettstars: Sie alle waren oder sind Erste Solisten, Ikonen ihres Landes, Musen eines Choreografen, international bewundert. Und alle sind über 40 Jahre, zum Teil weit älter. WINNDance – das Akronym steht für «When If Not Now» – wurde im Frühjahr 2026 von Marijn Rademaker und Slava Tutukin...
Extrem lebendig und weithin praktiziert, dabei strukturell instabil und kaum als Arbeit anerkannt: In Buenos Aires führt der Tanz schon seit Langem ein widersprüchliches Dasein. Ohne ein nationales Tanzgesetz, das grundlegende Arbeitsrechte garantieren könnte, bleiben die Arbeitsbedingungen äußerst prekär. Und doch: Noch immer kommen wir in Studios, Kulturzentren,...
Kyle Abraham mischt den Wortschatz des Tanzes auf, indem er Schwarze Idiomatik ins Ballett einfließen lässt und das klassische Genre damit in die Gegenwart holt. In «Cassette Vol. 1» gönnte er Taylor Stanley, Principal Dancer beim New York City Ballet (NYCB), eine wunderbare Szene. In Zeitlupe pustete ein Ventilator in kitschiger Hollywood-Manier Stanley ins...
