Mit Haut und Haar
Da steht er also, auf Abschiedstour mitten in der Kantine der Deutschen Oper – ein Hauch von Edelrestaurant mit angeschlossenem Theatertreff. Gerade hat Johnny McMillan sein Fach ausgeräumt, sich von den meisten Kolleg*innen verabschiedet, die eine oder andere Träne verdrückt – «sentimental journey». Am Abend wird er noch mal mit den anderen auf der Bühne stehen, in Pina Bauschs «Frühlingsopfer», dann ist endgültig Schluss. Aus und vorbei, nach fünf Jahren Zugehörigkeit zum Staatsballett Berlin geht der Kanadier neue Wege. Zumindest arbeitgebertechnisch.
Er hat bei L-E-V angeheuert, der Kompanie von Sharon Eyal und Gai Behar, einer lockeren Agglomeration. Das Ensemble findet sich probe-, premieren-, eventund tourweise zusammen, weshalb McMillan seinen Wohnsitz in der deutschen Hauptstadt behält. Jetzt eine Bleibe hier aufgeben? Da wäre er schlecht beraten. Unter den Neuankömmlingen, die der frisch amtierende Intendant Christian Spuck geholt hat, grassierte gleich mal die notorische Wohnungsnot. Insgesamt 21 Tänzer*innen haben umgekehrt die Truppe verlassen, aber nicht wenige behalten mehr als nur einen Koffer in der Stadt.
Für Johnny McMillan gab es sowieso keine Alternative: Ein ...
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Tanz Oktober 2023
Rubrik: Menschen, Seite 33
von Dorion Weickmann
Sie kommen aus Abidjan, aus Brüssel oder Brasilien. Tagsüber arbeiten sie in Haar- oder Beautysalons, nachts verwandeln sie sich in tanzende Hermaphroditen, Aphroditen oder Afro-Furien. Nadia Beugré, die in Montpellier und Abidjan lebt, ist ihnen dort oder in Brüssel begegnet, vor allem aber in einer Bar in Abidjan. War begeistert von ihrem Witz, ihrem Talent und...
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