Millepied, Soto, Forsythe: «In the Mood»

Dortmund

Tanz - Logo

Waltet im zeitgenössischen Ballett eher Traditions-Euphorie oder Traditions-Skepsis? Da ist der Renommier-Choreograf, der sich vor einem halben Jahrhundert intensiv mit dem Neoklassizismus von George Balanchine beschäftigte, um dessen Material zu dekonstruieren und perspektivisch zu multiplizieren, es mit philosophischem Know-how in die neue Unübersichtlichkeit der Gegenwart zu überführen – William Forsythe.

Und da ist der Nachwuchs-Star, groß geworden im New York City Ballet, der die postmoderne Dekonstruktion hinter sich lässt und sich nun wieder ganz affirmativ ans Idol Balanchine ranmacht: Benjamin Millepied, erster Solist beim NYCB.
Mit seinem Duo «Closer» beginnt der dreiteilige Ballettabend «In the Mood». Der Komparativ im Titel des Duos ist ästhetisches Prinzip: Klassische Liebes-Pas-de-Deux erzeugen Nähe – Millepied will es noch näher. Für sein 2006 entstandenes Duo erteilte er sich den Auftrag, die Tänzer in fast permanentem Körperkontakt miteinander zu bewegen. Symbiotisch verschmilzt das Paar im Dauerglück raffinierter Hebefiguren, die auch dann nicht abreißen, wenn Millepied die klassische Vertikale verlässt und sich Modern-Dance-gemäß auf den Boden begibt. Auch im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2009
Rubrik: Der Kalender, Seite 40
von Nicole Strecker

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Highlights im Juni

Indien in Salzburg

Die SommerSzene Salzburg drückt nicht nur den Altersdurchschnitt beim Festivalpublikum im Alpenschatten der Luxuskunst. Legendär sorgsam kuratiert, geht sie offensiv gegen jede Art von Beschränkung an, ob sie Generationen, Kunstsparten oder Kulturen einpfercht.
2009 stehen Begegnungen mit der indischen im Vordergrund. Die wichtigsten Vertreter...

Wider die pastorale Betulichkeit

Revolutionär war «La fille mal gardée» bei der Uraufführung 1789 in Bordeaux, zwei Wochen vor dem Sturm auf die Bastille, weil statt mythologischer Heroen bürgerliche Normalos auf der Bühne standen und im Liebeskampf die Armen für sich gewannen. In Cottbus raubt Dirk Neumann der alten Dame die pastorale Betulichkeit und holt sie mit den acht Tänzern seines...

Jirí Kylián

trägt die Melancholie im Blick, die Abgründe im Herzen und den Schalk im Nacken. 25 Jahre lang, von 1974 bis 1999, leitete er eine der erfolgreichsten Tanzkompanien Europas, das Nederlands Dans Theater in Den Haag. Das besitzt etwas sehr Seltenes: ein eigenes Haus und restlose Freiheit. Bei Kylián ist der Tanz keine Sparte, sondern ein Traum von Freiheit. Immer...