Millepied, Soto, Forsythe: «In the Mood»
Waltet im zeitgenössischen Ballett eher Traditions-Euphorie oder Traditions-Skepsis? Da ist der Renommier-Choreograf, der sich vor einem halben Jahrhundert intensiv mit dem Neoklassizismus von George Balanchine beschäftigte, um dessen Material zu dekonstruieren und perspektivisch zu multiplizieren, es mit philosophischem Know-how in die neue Unübersichtlichkeit der Gegenwart zu überführen – William Forsythe.
Und da ist der Nachwuchs-Star, groß geworden im New York City Ballet, der die postmoderne Dekonstruktion hinter sich lässt und sich nun wieder ganz affirmativ ans Idol Balanchine ranmacht: Benjamin Millepied, erster Solist beim NYCB.
Mit seinem Duo «Closer» beginnt der dreiteilige Ballettabend «In the Mood». Der Komparativ im Titel des Duos ist ästhetisches Prinzip: Klassische Liebes-Pas-de-Deux erzeugen Nähe – Millepied will es noch näher. Für sein 2006 entstandenes Duo erteilte er sich den Auftrag, die Tänzer in fast permanentem Körperkontakt miteinander zu bewegen. Symbiotisch verschmilzt das Paar im Dauerglück raffinierter Hebefiguren, die auch dann nicht abreißen, wenn Millepied die klassische Vertikale verlässt und sich Modern-Dance-gemäß auf den Boden begibt. Auch im ...
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