Salia nï Seydou: «Poussières de sang»
Salia Sanou und Seydou Boro gehören zu den Aushängeschildern eines zeitgenössischen afrikanischen Tanzes, den es, glaubt man Germaine Acogny im Senegal, gar nicht gibt.
Das z-Adjektiv steht in Afrika vor allem für «europäischen» Tanz. Aber was wäre die Kompanie Salia nï Seydou, hätten die beiden nicht vor 16 Jahren in Montpellier bei Mathilde Monnier ihre ersten Sternstunden erlebt? Heute leiten sie in Ouagadougou das am besten ausgestattete Tanzzentrum Westafrikas, La Termitière (Der Termitenbau).
Die Eröffnung vor drei Jahren wurde begleitet von intensiven Schießereien zwischen Einheiten aus Polizei und Armee. Der plötzliche Ausbruch von Gewalt in einem der friedlichsten Länder des Kontinents war ein Schock und Auslöser dieses Stücks «Poussières de sang». Wenn sich Blut und Staub miteinander vermengen, liefern sie das klebrige Bild von der Machtlosigkeit des Menschen. Dass da im Französischen auch eine Anspielung an Sternschnuppen mitschwingt, macht die Erinnerung an den Blutzoll noch tragischer.
Die Premiere des Stücks fand bei Montpellier Danse unter freiem Himmel statt. Afrika schien nah. Sanou und Boro wenden sich ihren Wurzeln zu, nachdem sie mit «Un pas de côté» ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sie ist Anfang vierzig und sie hat vor einigen Monaten ihren Chefposten geschmissen. Neun Jahre lang war Henrietta Horn Leiterin des Folkwang Tanzstudios in Essen. Auf dem Papier hat sie sich den Job zwar mit Pina Bausch geteilt, aber die half dem FTS nur mit respektgebietendem Namen. Henrietta Horn wollte die Verantwortung für andere, jüngere Tänzer nicht mehr. Zu...
«Ich bin Gott», schrieb Vaslav Nijinsky. «Ich bin der Geist in jedem Menschen». «Ich bin Vaslav», sagen brave Bürger am Eingang der Ludwigsburger Karlskaserne in die Kamera. «Ich bin kein wildes Tier», sagt eine Stimme auf der Bühne, auf der der alte Videokünstler Alex Schmidt an einem kleinen, brüchigen Wohnwagen zimmert. Fabian Chyle tritt hinzu, der Stuttgarter...
«In diesem Augenblick wurde ich unwiderruflich zu einem anderen. Ich wusste mit geradezu schockierender Plötzlichkeit, dass ich bis zu diesem Moment noch nicht wirklich gelebt hatte oder besser: dass ich keinesfalls auf dieser Erde verweilen wollte, ohne das zu lernen, was dieser Mann gerade getan hatte.» In seinen unvollendeten Memoiren berichtet der Tänzer,...
