Marie-Agnès Gillot
Es ist Freitag, der dreizehnte. Auf der Zielgeraden droht die wochenlang abgestimmte Terminplanung zu platzen. Das Flugzeug hat Verspätung, die Pariser Verkehrsadern sind wie üblich verstopft. So erreicht die Besucherin das Amphitheater in den Katakomben der Bastille-Oper erst in allerletzter Sekunde. Einhundertfünfzig aufgeregte Schüler werden hier gleich eine Überraschung erleben und einen jener Sterne am französischen Tanzhimmel bestaunen, die sonst eine Etage drüber, auf der großen Bühne des Hauses, die Herzen des Publikums höher schlagen lassen.
Nichts läuft wie geplant an diesem Tag, auch nicht für die Choreografin. Von jetzt auf gleich ist ihre Hauptdarstellerin ausgefallen. Also hat Marie-Agnès Gillot beschlossen, selbst in «Les rares différences» aufzutreten – «zum ersten Mal in meiner eigenen Choreografie, dafür war es gar nicht übel!» In der verschachtelten Opern-Cafeteria lässt sich die Primaballerina aufs Kunstlederkanapee fallen. «Les rares différences», ein Mix aus HipHop und zeitlupenlangsamen Berührungsetüden für Minimalbesetzung – zwei Männer, eine Frau –, ist Gillots zweite eigene Arbeit. Die Kids haben frenetisch applaudiert. Die Debütantin ist mit ihrer ...
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