Michael Schindhelm
Im Herbst 1992 übernahm ich die Leitung des Theaters im thüringischen Gera. Dort gab es damals (und gibt es, glaube ich, heute noch) eine starke Ballettkompanie. Und die Geraer BallettTage, ein kleines Tanzfestival, das wir fortgesetzt haben und inzwischen meines Wissens schon bald dreißig Jahre existiert.
Dieses Festival ist ein Schaufenster für das (im Osten damals noch weniger bekannte) Tanzgeschehen Westeuropas. Zuerst lud ich Gruppen aus Holland ein, später aus Großbritannien und Frankreich.
Jedes Land hatte seinen spektakulären Auftritt, und die Geraer kamen, sahen, waren begeistert.
Tanz ist die Kunstsprache des Kosmopolitischen. Deshalb habe ich an Theatern gearbeitet, in denen diese Kunstsprache auf virtuose, je eigene Weise verstanden und gesprochen wird. In Basel arbeitete ich später mit Joachim Schlömer, jetzt mit Richard Wherlock.
Der Tanz ist nicht nur eine kosmopolitische Kunst. Oscar Wilde hat einmal gesagt: The visible is the invisible. Tanz ist eine Erzählung über den Körper. Deshalb ist er auch eine Erzählung jenseits des Körpers, hinter dem Körper. Weil er eine Kunst der Physis ist, ist er auch so etwas wie die Metaphysik der Kunst. Ich kann mich an die ...
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Zeitgenössischer Tanz in Polen hat sich in kleineren Städten wie Bytom, Lublin und Kalisz zum lokalen Standortfaktor entwickelt. In Gdansk, der Wiege der Revolution, hält sich ein munterer Vorposten. Auch die Metropolen Warszawa, Krakow und Poznan können auf der polnischen Tanzkarte angekreuzt werden. Doch westlich der Oder weiß man wenig von diesem Werden....
«Das Leben ist eine Frau, die tanzt», schreibt Paul Valéry in «L’âme et la danse». Eine schöne Liebeserklärung an den élan vital. Ja, Motion und Emotion stecken uns als erste Sprache im Leib. Eros, alles ist body turn. Zuerst tauschen wir uns nur über Motorik und Affekte mit der Welt aus. Inwendig und auswendig tanzen die Gesten und Gefühle. Seit ich denken kann,...
Die Kollaboration mit dem deutschen Feind steckt noch drin in der slowenischen Seele. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die Zeit der sozialistischen Kollektive in Jugoslawien. Heute, nach knapp eintausend Jahren gefühlter Besatzung, bricht in Slovenija die Zeit der Kooperation an. Kooperation verlangt, dass hinreichend viele die gleichen Spiele spielen, nach den...
