Gedoppelter Gruppenevent

Bertrand D’At, A. Foniadakis: «Le Chant», «Xe Symphonie» in Strasbourg

Tanz - Logo

Am Ende sieht er in jedem Jungen seinen Mann. Noch singt Hedwig Fassbender, für ihren erkrankten Kollegen François Le Roux eingesprungen, ihr «Ewig, ewig», als Tim verzweifelt aufblickt. Er traut seinen Augen nicht. Eben hat er sich von John «verabschiedet», steht der schon wieder leibhaftig vor ihm: als Barkeeper, der ungerührt seine Gläser putzt.


Wer immer das «Lied von der Erde» in der Modellversion Kenneth MacMillans in Erinnerung behalten hat, wird sich unwillkürlich fragen, ob das geht: Gus­tav Mahlers grandiose Gesangskomposition so auszudeuten – als Liebesgeschichte zweier Jungen bis zum Tod? Bertrand d’At, seines Zeichens Direktor des Ballet du Rhin im elsässischen Mulhouse, erbringt den Beweis: es funktioniert, sogar bestens. Inspiriert von der Novelle «Holding The Man», die Timothy Conigrave im Epilog als posthumen Brief an einen verstorbenen Freund diktiert, entwickelt er «Le Chant de la terre» in der Straßburger Oper als typische Aids-Tragödie unserer Tage. Stürmisch der Beginn, schier überschäumend vor lauter Bewegungslust das «Trinklied vom Jammer der Erde». Nicht weniger sportiv choreografiert der zweite Satz, den d’At nicht als «Einsamer im Herbst» interpretiert, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2005
Rubrik: On Stage, Seite 46
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Himmlische Stimmchen

Lächerlich gemacht habe Orlin die schwarzen Sänger ihrer Spaß-Performance, behaupteten einige nach der Premiere im Théâ­tre de la Ville. Einmal mehr spielt die Halb-Berlinerin aus Johannesburg mit dem Blick auf das Andersartige. Sie stiftet Verwirrung, in der sich mancher selbst entlarvt. Da ist der Zoom auf Nasenfront und schmat­­zende Lippen. Die Kamera schafft...

Richard Cragun hat die Nase voll

«Die Arbeitsbedingungen am Teatro Municipal in Rio de Janeiro waren zuletzt so unerträglich, dass ich nach zwei Jahren meine Tätigkeit eingestellt habe.» Der einstige Starsolist des Stuttgarter Balletts und nachmalige Ballettdirektor der Deutschen Oper Berlin hat nun die Konsequenzen aus einer Situation gezogen, die eine kreative Entwicklung des Ballettensembles...

Köln: Hommage à Robert Cohan

Die Tanzstudenten der Musikhochschule Köln haben einen prominenten «Patenonkel»: den Choreografen Robert Cohan, langjähriger Leiter des London Contemporary Dance Theatre. Und der ist spendabel: Seit der Neugründung des Studiengangs Tanz 1997, als das Institut für Bühnentanz im Fachbereich 3 der Staatlichen Hochschule für Musik Köln aufging, hat er den rund 60...