merce cunningham

Tanz - Logo

Wer in den vergangenen Jahrzehnten von zeitgenössischem Tanz sprach, dachte hoffentlich zuerst an Merce Cunningham. Seine Arbeit war essenziell, weil er es schaffte, ein genügend komplexes Körperbild herzustellen, dass den Selbstfindungsprozessen und dem Individualismus des 20. Jahrhunderts tatsächlich entsprach, nicht ohne selbst auch die Frage nach den Grenzen und der Begrenztheit dieses Strebens zu stellen. Man kann jetzt natürlich traurig sein.

Er hat das Ende seiner Kompanie verfügt, aber ehrlich und auch konstruktiver wäre die Frage, was wir von Cunningham wirklich gelernt haben und was tatsächlich von ihm – in uns – bleibt. Sieht man, wie er dieses Erbe bestimmt hat, welche Tänzer er zum Abschied aussuchte, wie er nicht mal im Ableben die Kontrolle darüber verloren hat, was mit seinem Werk geschehen soll, damit es Kunst bleibt, dann muss man den Hut ziehen.

Nur so wird Tanz nicht im Prozess des ewigen Weitervererbens zur Ideologie verformt. Selbst die Tournee samt etlichen Wiederaufnahmen seiner ihm wichtigs­ten Werke hat er noch bestimmt; ebenso, dass am 31. Dezember in New York nur Volkspreise, genau zehn Dollar Eintritt, erhoben werden. Zuvor haben wir bei ihm die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2011
Rubrik: Die Hoffnungsträger, Seite 140
von Tiago Bartolomeu Costa

Weitere Beiträge
nicki liszta

Die Stuttgarter Tanzszene ist ein starres Gefüge. Sie tut sich schwer im Schatten des Stuttgarter Balletts, der mit Eric Gauthiers Kompanie ­inzwischen bis ins Theaterhaus reicht. Die Nischen und Namen der ­freien Szene sind vertraut. So wirkte das Auftauchen von Nicki Liszta wie in einem Western, wenn ein Fremder durch die Saloontür tritt und den Colt auf den...

václav kunesˇ

Er ist ohne Zweifel geprägt von seiner Zeit als Tänzer des Nederlands Dans Theater 1 und als Assistent Jirˇí Kyliáns. Aber auch aus seiner Zeit bei Sa­buro Teshigawara finden sich Spuren in seinen raffinierten Pas de deux mit seiner Partnerin Nataša Novotná. Die strotzen nur so vor Leichtigkeit, psychologischer Wahrheit und der Freiheit, mit sich selbst, dem...

sebastian matthias

Er gebraucht den Raum wie eine dreidimensionale Leinwand. Ähnlich der Farbfeldmalerei der abstrakten Expressionisten experimentiert der Berliner Tänzer und Choreograf mit «Körperfarben» und Bewegungsstrukturen, mit den Spannungsfeldern in und zwischen den Körpern und ihren Reaktionen auf Klangimpulse. In der Bewegungsrecherche «Tremor», erarbeitet während seiner...