Menschen und Räume
Menschen wirken auf Räume ein, gestalten sie, eignen sie sich an und hinterlassen Spuren. Gleichermaßen wirkt der Raum auf den Menschen ein, ermöglicht Begegnung, aber verhindert sie auch. Diese Wechselbeziehung zwischen Raum und Mensch gilt für alle Räume, sei es ein Sakralraum, ein Theater, das eigene Zimmer, eine Schrebergartenkolonie oder eben der städtische Raum.
Aber gilt dies auch für das Meer? Auf den ersten Blick stehen sich Meer und Stadt diametral gegenüber: Natur versus Kultur, Leere, Unbegrenztheit versus Struktur und Begrenztheit, hier die Einsamkeit der Menschen am Strand, dort die Menschenmassen der Großstadt. Auf das Meer richten sich die Träume nach fernen Ländern, unbekannten Kulturen und exotischen Schätzen. Die Stadt hingegen taucht die Realitäten des Lebens in modernen Gesellschaften in ein grelles Licht. Seit dem Entstehen der ersten europäischen Großstädte werden diese gefeiert und zugleich problematisiert: als Orte, in denen sich das Individuum frei entfalten kann, ohne den sozialen Restriktionen des Dorfes und der Kleinstadt unterworfen zu sein. Zugleich wird es dort mit ökonomischer Ausbeutung, Einsamkeit, Anonymität, sozialer Kälte und Segregation ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Unterwegs, Seite 117
von Annette Knaut
Die Forderung, dass sich Theater dem digitalen Wandel in der Gesellschaft stellen muss – und zwar sowohl inhaltlich mit den Mitteln der Kunst als auch in der Anpassung der eigenen Produktionsprozesse – ist nicht neu. Die eigene Sichtbarkeit im Digitalen und damit einhergehende neue Praktiken der Inszenierung und Rezeption für digitale Bühnen – das hat vor 2020...
Kurz vor dem ersten Corona-Lockdown im März 2020 kam ich von einem Gastspiel mit meiner Produktion «Die Winterreise» von Franz Schubert zusammen mit der Sopranistin Juliane Banse, dem Pianisten Alexander Krichel und dem Tänzer István Simon aus Pakistan zurück. Das war die letzte berufliche Reise, die ich seitdem unternommen habe. Ich war erleichtert über die...
Für viele Tänzerinnen und Tänzer war der Beginn der Pandemie mit dem Lockdown, den Maßnahmen und Online-Trainings eine sehr ungewisse und schwere Zeit. Es gab wenig Perspektive, wie die Zukunft der Darstellenden Künste aussieht, und es war teilweise schwierig und frustrierend, das Training in den eigenen vier Wänden zu meistern. Für mich gehört der Kontakt und viel...
