Matteo Levaggi: «Primo Toccare»
Der Titel des neuen Balletts von Matteo Levaggi klingt subtil. «Erst berühren», so die wörtliche Übersetzung, könnte ein Statement der Werbung sein oder, nicht weit davon entfernt, eine sexuelle Aufforderung. Das Werk für das Balletto Teatro di Torino, das bei der Tanzbiennale in Lyon uraufgeführt wurde, ist vor allem: purer Tanz. Mehrere Glassarkophage stehen in einem Garten aus Licht. In ihnen stehen silberne Schädel umkränzt von weißen Lilien – ein Dekor von Samantha Stella und Sergio Frazzingaro, die unter dem Label Corpicrudi arbeiten.
Zwei weibliche Models besteigen in weißen Kleidern ihre Glasgräber und verharren darin bis zum Ende unbeweglich wie Skulpturen. Umtanzt werden sie von fünf Jungs, darunter dem eindrucksvollen Chinesen Shang-Chi Sun, einem Virtuosen mit poetisch tanzenden Händen, sowie drei Frauen, die nicht minder kraftvoll und ausdauernd ihre Beine und Arme von sich werfen, sich unablässig heben, umarmen, liebkosen und küssen. Der Kontrast zwischen dem wilden Tanz auf der Bühne und der starren Haltung hinter Glas kann kaum größer sein.
Levaggi, auf den Titel angesprochen, sagt, man habe eben nur einmal die Chance zu einer ersten Berührung, diesem fragilsten und ...
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