Brief aus Marrakech
Die letzten scheppernden Töne des Muezzins verhallen im Hupkonzert des Nachmittagsverkehrs. Wir sind in Marokko. Im Wohnzimmer der Familie Mamoun macht die erste Flasche Wein die Runde. Während in den traditionelleren Familien die Gebetsteppiche zusammengerollt werden, wird in diesem Haushalt der Wohnzimmerteppich zur Seite geschoben. Für ein ausgesprochen weltliches Spektakel.
Familie, Freunde und Nachbarn aus dem schicken Neustadtviertel Marrakesch-Gueliz haben sich auf bunt bestickten Sitzkissen ausgebreitet. Man raucht, man trinkt, man wartet.
Plötzlich steht eine junge Frau auf und geht in die Mitte des Zimmers. Mit vorsichtigen Schritten beginnt sie den Raum zu erkunden. Reibt sich mal mit dem Rücken an einer Säule, setzt sich neben Großmutter Amoun oder lehnt sich an die Schulter des rauschebärtigen Nachbarn. Eine zweite Tänzerin kommt hinzu, erkundet trippelnd Küche und Flur. Ein Dritter bedient den antiquierten Kassettenrekorder, aus dem Alltagsgeräusche dröhnen. So nehmen nach und nach die drei Künstler den Raum mit ihren ungewohnten Geräuschen und Bewegungen ein.
Tosender Applaus, als die Performance zu Ende ist und man sich aufgeregt plappernd zum Esstisch begibt. Die ...
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