Marioenrico d‘Angelo, Lesley Telford, Xie Xin «Zwielichter»
Im Zwielicht der Dämmerung verschwinden die Konturen, doch was hell ist, wirkt heller noch. So auch am neusten Abend des Bern Balletts, der «Zwielichter» flackern lässt, drei genau. Getanzt wird im Nebel, im Gegen- und Schummerlicht, zu viel Bass und einförmigem Beat, zu unheilvoll dräuenden Geigen und Sehnsuchtsklängen. Das ist das Problem.
An diesem Abend mit Stücken des Italieners Marioenrico D‘Angelo, der Kanadierin Lesley Telford und der Chinesin Xie Xin (tanz 4/25) versuche ich mir vorzustellen, wie die Bewegungen wirken würden, wären sie nicht so getrieben von wummernden Bässen, sphärischen Klängen, minimalistischen Zweitönern, in denen sich Gustav Mahlers Fragment des Klavierquartetts in a-Moll verliert.
Einfach lässt sich das beim ersten Stück des Abends sagen. Marioenrico D‘Angelo verwendet in «Night Shining Clouds» eine vielfältige Auswahl von Songs von Bette Midler, Laura Nyro, Federico Durand und anderen, und er hat sich als einziger die Bühne von Verena Hemmerlein mit seltsamen Wesen zwischen Wurm und Vogel bestellen lassen. Aus ihnen wachsen die Tänzerinnen und Tänzer zu Beginn des Stücks, kuscheln sich aneinander, so eng, dass, wer draussen steht, es nur mit viel ...
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Tanz 2025
Rubrik: Kalender, Seite 46
von Lilo Weber
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