Utopisch
Die Szene auf dem Gemälde «Arabesque» ist so ungewöhnlich, dass man unwillkürlich stehenbleibt. Sechs Schwarze Ballerinen stehen da in symmetrischer Formation, Grundhaltung «Arabesque», als würden sie gerade im Studio für ihren Auftritt proben. Aber nein – sie stehen inmitten einer Wohnsiedlung, in einer Grünanlage, am Rande des Bürgersteigs.
US-Künstler Noah Davis (1983 bis 2015) platzierte die Sechs in blendend weißen Tutus, knappen Oberteilen und langen cremeweißen Satinhandschuhen in das «Pueblo del Rio», einer Siedlung, die Anfang der 40er Jahre in Los Angeles für schlecht bezahlte Arbeiter und Veteranen gebaut wurde – helle Wohnhäuser, Siedlungstyp «Garden City». Davis paart die gebaute Utopie mit einer gesellschaftlichen, rückt Schwarze Ballerinen in den Mittelpunkt des Bildes, Ballerinen, die bis heute in großen Kompanien selten zu finden sind.
Wenigstens ist der Rassismus in der Ballettwelt mittlerweile ein Thema, geändert hat das allerdings wenig. Insofern zeigt das 2014 entstandene Bild bis heute einen politischen Traum – «I Have a Dream» heißt die berühmteste Rede von Martin Luther King. Der von Noah Davis verehrte Architekt Paul Revere Williams (1894 bis 1980), der ...
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Tanz 2025
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Claudia Henne
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