Marcos Morau, Nadav Zelner «Lucid Variations»
Auch bei «Folkå» bleibt Marcos Morau am Boden. Erdgebunden wirkt das Stück, das der spanische Erfolgschoreograf vor vier Jahren mit den Tänzern und Tänzerinnen von NDT 2 entwickelt hat: ein fiktives Ritual, das ebenso gut in den nordischen Ländern wie auf dem Balkan verortet werden könnte. Bulgarisch klingen jedenfalls die Frauenstimmen, gelegentlich unterbrochen von dumpfen Schlägen, Kuhglockengeläut und Körpergeräuschen.
Vielschichtig gibt sich das Sounddesign von Juan Cristóbal Saavedra – und vielschichtig wirkt denn auch das Werk, das einen manchmal an ein verstörendes, ja, bigottes Ritual denken lässt, an eine absurde Form von Exorzismus, dann aber immer wieder in Kreis- und Keilformen einen Sog entwickelt, als könnte man so nach den Sternen greifen, die am Ende die nachtschwarze Bühne erhellen. Mit der kunstvoll ausgeklügelten Kunstwelt eines Morau kann Nadav Zelners «An untold story» nicht konkurrieren – noch nicht, um genau zu sein. Denn die zweite NDT-Choreografie des israelischen Künstlers zerfällt zwar in verrückte, bisweilen fast revuehafte Einzelszenen, die in ihrem Erscheinungsbild etwas gewöhnungsbedürftig sind. In der Zusammenschau aber deutet sich hier ein bizarres ...
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Tanz Februar 2025
Rubrik: Kalender, Seite 39
von Hartmut Regitz
Meine Hände riechen nach Mandarinen, mein Mund schmeckt nach Kaffee. Das Autofenster ist offen, der Frühlingsgeruch des Jasmins und hupende Fahrzeuge begleiten mich auf dem Weg zum Training. Der Uber-Fahrer fragt mich, was ich in Beirut mache und woher ich komme: «Ana Urdunnije» – «ich bin Jordanierin», sage ich stolz. Er setzt mich in Bourj Hammoud ab, einem...
Es regnet Funken aus geöffneten Händen, Flammenwirbel umkreisen die angewinkelten Beine einer hüpfenden Tänzerin in Ruth Martens Serie «All About Eve». Manchmal wachsen aus Knien und Ellbogen Verlängerungen, mit denen der Körper der Frau an einen zurechtgestutzten Obstbaum erinnert. Einmal fahren Papierlaschen aus dem Hintergrundprospekt, vor dem das Modell...
In Südkorea ist man sich in vielen Dingen einig. So, als die Romanautorin Han Kang im Herbst den Nobelpreis für Literatur erhielt. Da waren im Nu sämtliche ihrer Romane vergriffen und die Universität, an der sie studierte hatte, ernannte die urplötzlich im Rampenlicht stehende Schriftstellerin zur Professorin h. c. Der Hype erinnert direkt an den Wirbel, der die...
