Marcos Morau «Dornröschen»

Reims, online

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Verzückung, Verrückung, obskures Ritual: Sechzehn weiß gewandete Gestalten in Spitzenhäubchen und Krinoline kleben im Pulk aneinander. Der Raum ringsum leuchtet so rot wie die Innenmembran einer Gebärmutter, während die mysteriösen Sektierer*innen, die an das Personal eines Daphne du Maurier-Schauerromans à la «Rebecca» erinnern, unsichtbare Schicksalsfäden zu spinnen scheinen. Bis schließlich ein Säugling wie aus dem Nichts geboren wird, der von Arm zu Arm und Kuss zu Kuss wandert. Licht flutet herein, Pjotr Tschaikowskys «Dornröschen» erklingt – maximale Irritation.

 

Marcos Morau ist der spanische Spezialist für surreales Erzählen. Seit er 2014 mit «Siena» und der eigenen Truppe La Veronal in Mitteleuropa aufkreuzte, werden seine Arbeiten regelmäßig zu Bestsellern. Weil sie stets an den psychologischen Abgründen entlang balancieren, die Alfred Hitchcock kinematografisch in reinen Nervenkitzel verwandelt hat – beispielhaft dafür eben «Rebecca», das er 1940 verfilmte. Im Herbst vergangenen Jahres hat Morau mit dem Ballet de l´Opéra de Lyon eine «Dornröschen»-Version entwickelt, die ins Reich der Träume und Alpträume entführt und den Tanz in jeder Hinsicht hitchcockisiert. Was ...

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Tanz 4 2023
Rubrik: Kalender, Seite 38
von Dorion Weickmann

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