Grenzenlose Pressefreiheit?
Choreografen haben ungeahnte Kräfte. Sie brauchen nur einen Sack mit Hundekot zu schmeißen und schon ist die ganze Pressefreiheit im Robidog. Das könnte glauben, wer im Februar die Kommentare zur Hundekotattacke Marco Goeckes auf eine Tanzkritikerin las (siehe auch S. 44). Echt jetzt? Im Ausraster eines Theaterschaffenden gegen die Kritik einen Angriff auf die Pressefreiheit zu beklagen, ist wohl ein bisschen übertrieben – und auch ein bisschen demagogisch. Die Pressefreiheit ist ein hehres Gut.
Selbst wenn wir schon sehr lange in einer Demokratie leben und am eigenen Leib nichts anderes erfahren haben, müssten wir uns eigentlich vorstellen können, dass sich das auch ganz anders anfühlen kann, in Russland oder Iran zum Beispiel. Wir können da und dort vielleicht von Behinderung unserer Arbeit reden – mit Einschränkung unseres demokratischen Rechts auf freie Meinungsäußerung hat dies wenig zu tun. Doch wie steht es eigentlich mit dieser Freiheit auf Meinungsäußerung? Wo beginnt, wo endet sie? Darf ich als Journalistin schreiben, was immer mein Herz begehrt? Oder gibt es Schranken?
Gehen wir von einem frei erfundenen Beispiel aus – jegliche Ähnlichkeit mit realen Ereignissen wäre ...
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Tanz 4 2023
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Lilo Weber
Einmal hatte Marco Berrettini richtig Pech. Er arbeitete an einer Inszenierung in Paris, an einem dieser Theater mit vielen verwinkelten Korridoren und Räumen, die nur nach Eingabe eines Codes am Türöffner betretbar sind. Ein sicherer Ort, um dort sein technisches Equipment zu verwahren. Sollte man meinen. Und doch war plötzlich alles weg: Computer und vor allem...
Esther Boldt, wir kennen uns schon lange, wir sind per Du – auch in diesem Gespräch, nicht als kumpelige Distanzlosigkeit, sondern als gelebte Sprachpraxis. Esther, mir wurde mal von einem Künstler vorgeworfen, dass er die ganze Arbeit macht, während wir Kritiker*innen nur beschreiben würden, was er im Vorfeld geleistet habe …
Den Eindruck teile ich nicht. Mein...
Verzückung, Verrückung, obskures Ritual: Sechzehn weiß gewandete Gestalten in Spitzenhäubchen und Krinoline kleben im Pulk aneinander. Der Raum ringsum leuchtet so rot wie die Innenmembran einer Gebärmutter, während die mysteriösen Sektierer*innen, die an das Personal eines Daphne du Maurier-Schauerromans à la «Rebecca» erinnern, unsichtbare Schicksalsfäden zu...
