Manchen Theatern

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Manchen Theatern ist das alles piepegal: ein Telefonton, vor der Vorstellung eingespielt, und die Sache hat sich. Dass dem mitnichten so ist, wird jeder bestätigen können, dem einmal ein Sitznachbar den Ballettbesuch verdorben hat – ganz einfach, weil er partout auch während der Vorstellung nicht vom Handy lassen wollte. Also müssen sich die Theater etwas einfallen lassen, um ihre Klientel zur Ordnung zu rufen. 

Die Bandbreite der Appell-Möglichkeiten ist groß.

In einem Wiener Opernhaus heißt es ganz einfach: «Es ist verboten», und das in einem Ton, dass jedermann innerlich erst einmal die Hacken zusammenschlägt, anschließend seinen inneren Widerstand aktiviert und schon aus Protest zum Telefon greift. Andernorts ist man höflicher. In Stuttgart verweist zum Beispiel eine sonore Männerstimme auf den guten Augenblick, «um im Interesse aller Künstler auf der Bühne und im Orchestergraben sowie aller Ballettbesucher … das Mobiltelefon bis zum Ende der Vorstellung komplett auszuschalten.»

Persönlicher geht es an der Komischen Oper Berlin zu. Dort lässt sich bei besonderen Gelegenheiten Tom Schilling hören, der von 1965 bis 1993 das Tanztheater des Hauses geleitet hat. Er erinnert an seine Erfolge, wünscht dem Etablissement zu seinem 70. Geburtstag alles Gute und den Zuschauern eine schöne Vorstellung. Um dann den Satz folgen zu lassen, mit dem auch sonst in der Komischen Oper die Ansage endet: «Bitte schalten Sie Ihr Handy JETZT aus.» Zuvor wird allerdings das schmunzelnde Publikum darum gebeten, darauf zu verzichten, «während der Vorstellung zu -telefonieren, E-Mails oder SMS zu versenden, zu posten, zu twittern oder zu googeln.»

Am besten klappt es immer noch mit einer direkten Ansprache, wie sie beim «Neuen Stück II» von Alan Lucien Øyen am Tanztheater Wuppertal erfolgt. Da erlaubt Nazareth Panadero dem Zuschauer noch mal kurz «Tschüss Mama, ich liebe dich» oder «Hi, Bob, ich melde mich» zu sagen. «Aber dann machen Sie das Telefon aus, bitte, schalten Sie Ihr Handy aus, don’t call me anymore. Fotos? Keine Fotos heute Abend, nicht mal eins. Filmen ist auch nicht erlaubt, keine Filme heute Abend. Danke. Ich verlasse mich auf Sie, weil ich Sie kenne.»

Das sitzt. Schließlich will man sich ja nicht ertappen lassen. Mit Nazareth Panadero, da bin ich mir ganz sicher, ist nicht gut Kirschen essen.


Tanz August/September 2018
Rubrik: Warm-Up, Seite 1
von Hartmut Regitz

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