Mainz: Pierre Rigal «Extra time»
Zum ersten Mal nach dem Lockdown hebt sich für tanzmainz am Staatstheater Mainz wieder der Vorhang – dank «Extra Time» von Pierre Rigal. Neun Tänzer und Tänzerinnen machen erlebbar, wie Corona das Bewegungsgeschehen und die Ordnung der Körper im Raum verändert hat.
Der Gastchoreograf Pierre Rigal, ursprünglich mit einer anderen Produktion betraut, switchte kurzerhand um. Nun thematisiert er mit dem Ensemble die Schmerzen körperlicher Distanz, und was es bedeutet, zwischenmenschliche Nähe als Gefahr wahrzunehmen.
Der komplexe soziale Raum wird selbst zum Gegenstand der Choreografie und zudem durch bühnentechnische Vorrichtungen geteilt, beschränkt oder erweitert. Rigal zeigt das isolierte Verweilen des Menschen im je eigenen Kreis. Die Grenzen werden peinlich genau beachtet und verteidigt. Arme werden zu lebendigen Abstandsmarkierungen, Hände zu abstrakten Fremdkörpern, Alltagsbewegungen einer Umerziehung unterzogen.
Die Tänzer und Tänzerinnen haben in der Selbstisolation Soli, Duette und Trios erarbeitet, die in die Choreografie eingebaut und miteinander verbunden wurden. Körperbewegungen, die kontaktlos wie Impulse weitergegeben werden, laufen durch die ganze Spielschar. ...
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Tanz Juli 2020
Rubrik: Kritk, Seite 34
von Hannah Meyer-Scharenberg
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