Lust auf Gefühl
Eine Frau klammert sich an eine Tischkante, mobilisiert alle Kräfte. Jede Sekunde scheint eine Ewigkeit. Sie reißt den Tisch hoch, baumelt daran wie an einer Felsklippe, stürzt ab. Für den Betrachter blitzen unzählige Bilder aus allen möglichen Geschichten und Genres im Kopf auf. Action, Katastrophen, Reality. Im nächsten Augenblick eine ungeheure Soundexplosion, die alles in die Luft fliegen lässt. Splittern, Bersten, Salven von Schüssen. Die Darsteller gehen in Deckung – unter den Tisch.
Übrig bleiben Rauchschwaden, die sich sehr langsam verziehen. Tödliche Stille. Am rechten Bühnenrand taucht eine Frau auf. Sie kniet weinend in Trümmern, vielleicht, die letzte Überlebende einer Katastrophe, sucht etwas, was es nicht mehr gibt. In der Mitte wird eine Gestalt sichtbar. Mühsam zieht sie sich am Boden entlang, ringt sterbend um Worte, Laute. Der Blick heftet sich an beide Figuren wie Bruchstücke von Geschichten.
Wie ein Action-Film ist das neue Stück der jungen Choreografin Mette Ingvartsen «Why We Love Action» aufgebaut, mit einem entscheidenden Unterschied: es folgt nicht der Logik einer Geschichte, sondern allein Effekten und Affekten. Aus Bildern, Sounds und Charakteren ...
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Hungarian choreographer Attila Kun has been riding a bumpy road lately which every now and then throws up quite a stumbling block. He nevertheless managed to direct his energies at the stage for his work “Mindegy” (Hungarian for “Whatever …”), performed earlier this year at Budapest’s Trafó House of Contemporary Art. “Whatever …” demonstrated some of the cleanest,...
Der Choreograf des Centre chorégraphique national in Aix-en-Provence ist angeklagt, in vierzehn Jahren und 453 Aufführungen durchschnittlich 675 Euro pro Aufführung an Tantiemen für Interpreten hinterzogen zu haben. Zuzüglich Zinsen, Strafgebühren und Steuern ergibt das laut Spedidam schlappe 473 000 Euro, oder zehn Prozent des aktuellen Jahresbudgets. Wer ist hier...
Es gibt am Theater Künstler, die werden nicht gefeiert, sondern leise zelebriert, weil es ihre bienenfleißige Melancholie stören könnte, geriete der Applaus zu kräftig. Ein «Theater der Enthaltsamkeit» hat man das genannt, was der verehrte Regisseur Laurent Chétouane hier treibt: ein «Theater der Entbehrungen» wäre richtiger. Man nehme nur genügend willige...
