López Ochoa/Ramez Sansano/Palencia «Ballet Latino»
Das hätte auch danebengehen können. Ihn interessiere «die pure Freude des Tanzes mit Rhythmus, Ästhetik, Sinnlichkeit und Kraft», schreibt Bremerhavens Ballettdirektor Alfonso Palencia im Programmheft zu «Ballet Latino», und bei «Rhythmus, Sinnlichkeit und Kraft» denkt man erst einmal, dass hier zum Tangoklang binäre Geschlechterkämpfe in klischeehafter Heteronormativität performt werden. Aber weit gefehlt! Weil der Abend zwar auf die musikalische Kraft von Flamenco und karibischen Sounds vertraut, die ihr innewohnenden gesellschaftlichen Strukturen aber geflissentlich ignoriert.
Schon der Auftakt, Annabelle López Ochoas «Sombresimo», erweist sich weniger als heißblütig-karibischer Tanz denn als Spiel mit der bildenden Kunst. Die kolumbianisch-belgische Choreografin erarbeitet Szenen nach Motiven aus René Magrittes Gemälden, mit kühlem Humor und einem Gespür für die Tiefe des Bühnenraums. Tänzerisch ist das wenig spektakulär, meist verlässt sich die Choreografie auf den Reiz synchroner Bewegungen mit kurzen Ausbrüchen in die Groteske, aber: Diese Ausbrüche beherrscht das Ensemble sicher, und außerdem können die Tänzer*innen wirkungsvoll Tempo machen.
Was sie auch in Gustavo ...
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Tanz Mai 2023
Rubrik: Kalender, Seite 36
von Falk Schreiber
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ZÄRTLICHKEIT DER GEWALT
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