Schmelzende Räume

Tanz - Logo

«Kötlujökull Melting» zeigt eine Bühne. Auf Ragnar Axelssons großformatiger Fotografie steht im Vordergrund ein winziger Mensch am Ufer eines sandigen Flusses, und über ihm erhebt sich ein Eismassiv, in dessen Mitte eine beeindruckende Eisbrücke steht. Eine Bühne aus Wasser, Fels, Eis und Nebel, auf der das Verschwinden einer Welt inszeniert wird: Der Kötlujökull ist der östlichste Auslassgletscher des isländischen Katla-Bergmassivs, und dieser Gletscher schmilzt, wie so viele andere Gletscher weltweit.

Axelsson, geboren 1958 in Island und heute vor allem bei der Tageszeitung «Morgunbla∂i∂» tätig, ist eigentlich preisgekrönter Reportagefotograf. Die Ausstellung «Where the World is Melting» im Hamburger PHOXXI, einer Ausweichspielstätte des Ausstellungshauses Deichtorhallen, zeigt allerdings Aufnahmen mit künstlerischem Anspruch – genau komponierte Landschaftsfotografien im strengen Schwarzweiß, kontrastreich, mit großer Tiefenschärfe. Der Whiteout-Effekt eines grönländischen Gletschers wird hier zur monochromen Fläche, die Gletscherspalten zu abstrakten Zeichen im tiefen Weiß, und nur wo menschliche Einflüsse zu sehen sind, ein Haus, Verkehrswege, eine Stromleitung etwa, tauchen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2023
Rubrik: Bewegung, Seite 4
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Edward Clug «Coppélia»

Bei der Arbeit an «Coppélia» war für Edward Clug eines ganz klar: «Pretty was not enough for me», sagt der Choreograf. Entsprechend ist sein Ballett zwar grazil und elegant, nimmt im zweiten Akt aber einen unerwartet dramatischen Verlauf. Clug unterstreicht damit die spannungsvolle Beziehung zwischen dem klassischen Handlungsballett und moderner Robotik. Mit...

Im Establishment

Es ist mittlerweile etwas in Vergessenheit geraten, aber: Die Wiege des deutschen Hip-Hop steht in Heidelberg. Mit Protagonist*innen wie Advanced Chemistry, Cora E. und den Stieber Twins war die Universitätsstadt Anfang der Neunziger ein Epizentrum von Rap, B-Boying und Graffiti, nicht zuletzt wegen der hier sehr präsenten US-Armee. Die ist längst abgezogen, Rap...

Wurzelwerk

Am 14. Mai jährt sich zum 75. Mal die Staatsgründung Israels. Die USA sind nicht nur politisch ein treuer Verbündeter, sondern auch kulturell. Im Tanz gilt das seit Beginn der amerikanischen Moderne: Tänzer*innen wie Anna Sokolow, Pearl Lang und Sophie Maslow schöpften aus ihrem jüdischen Erbe. Ebenso ihre Nachfahrinnen: Liz Lermans «The Good Jew?» (1992) und Risa...