Neshama Nashman

Newcomerin

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Wenn eine junge Choreografin im Anschluss an eine Aufführung von Hans van Manens «Short Cut» mit ihrem ersten Auftragswerk das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute in seinen Bann zieht, dann muss sie Talent haben. So geschehen jüngst beim Ballett am Rhein. Neshama Neshman ist der Name der sehr jungen Künstlerin, die mit einem Tanzstück über eine Erzählung von Franz Kafka debütierte. «Eine kleine Frau» – der Titel von Geschichte wie Kurzballett klingt harmlos.

Darin geht es um einen Mann, der in einem manischen Monolog von einer Frau erzählt, die ihm einerseits gefällt, ihn andererseits mit Kritik quält. Es ist die Geschichte einer Obsession, die die Kanadierin in grandiosem Tanz interpretiert. Den Erzähler, das «Ich», teilt sie auf in Körper und Stimme. Miquel Martínez Pedro verleiht ihm seinen Leib und spiegelt Verzweiflung und Zerrissenheit in absurden Figuren. Eine Stimme aus dem Off spricht Text-Passagen. Dazu tanzt eine Gruppe in uniformen, dunklen Anzügen so beängstigend wie ironisch in synchronen, maschinenartigen Moves. Personifiziert die kleine Frau die Gesellschaft? Nashman entzieht sich einer Auflösung wie der Literat selbst. Vor allem aber bringt sie Kafka auf ...

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Tanz Mai 2023
Rubrik: Side step, Seite 14
von Bettina Trouwborst

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