london: liam scarlett
Wenn es so weitergeht, wird das Royal Ballet in London den Pariser Konkurrenten bald vollends den Rang ablaufen. Während sich im Palais Garnier zuletzt auch Marie-Agnès Gillots Kreation «Sous apparence» in die Riege zweitklassiger Uraufführungen einreihte, überschlugen sich die englischen Kritiker angesichts der akademischen Eloquenz, die Liam Scarletts «Viscera», vulgo: «Eingeweide», durchglühte.
Das aus Miami importierte Stück belegte offenbar überzeugend, weshalb soeben für den 26-Jährigen eine neue künstlerische Position geschaffen wurde: Ab sofort rückt Scarlett als «artist in residence» in der Hierarchie der Königlichen ein ganzes Stück auf. Seine choreografische Handschrift soll diejenigen der ebenfalls fest eingebundenen Kollegen Wayne McGregor und Christopher Wheeldon ergänzen. Dafür muss der seit 2005 zum Ensemble gehörende Aufsteiger seine Schläppchen umgehend an den Nagel hängen.
Gleichwohl beweist die Beförderung, dass der Choreografen-Nachwuchs in Covent Garden offenbar gezielter gesucht, protegiert und zum Erfolg gepusht wird als an der Place Diaghilev drüben in Paris.
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Tanz Dezember 2012
Rubrik: menschen, Seite 30
von Dorion Weickmann
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