Leverkusen
Als Tänzer tritt er heute nur noch wohldosiert in Erscheinung. Der Bühne bleibt er dennoch treu. Mikhail Baryshnikov widmet seine beeindruckende Erfahrung als Performer inzwischen vornehmlich anderen Projekten – aktuell zu Ehren seines Freundes, des exilierten russischen Dichters Joseph Brodsky, der 1996 verstarb.
Für die Produktion «Brodsky/Baryshnikov», in Szene gesetzt von Regisseur Alvis Hermanis, nennt das Programmheft keinen Choreografen.
Es ist Baryshnikov selbst, der Brodskys dichte Sprache, seinen unerschrockenen Blick in die Untiefen des menschlichen Daseins in Bewegung überführt. Über die Körpersprache des Stücks befragt, äußerte sich Hermanis in «The Paris Review»: «Das alles ist nicht festgelegt – jeder Abend verläuft geringfügig anders ... Es geht nicht um die Möglichkeit, sondern um die Unmöglichkeit des Tanzes.»
Dabei ist es für Misha unmöglich, nicht zu tanzen. Auch wenn er einen Mann darstellt, der sich dem Ende seines (düsteren) Lebens nähert, dringt er mittels Bewegung zum Kern seines Sujets vor. Über weite Teile des Stücks sitzt er auf einer Bank und liest, grübelt, sinniert. Hinter der Bank bildet eine aus dem 19. Jahrhundert herübergerettete Veranda den ...
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