Bangalore
Die Zeiten haben sich geändert. Die Holzstühle und -tische, Wahrzeichen des deutschen Tanztheaters, sind aus dem Café Müller verschwunden. Ebenso die gläserne Drehtür, durch die man die rothaarige Frau im Geiste noch hereinstöckeln sieht. Bei der Uraufführung im Düsseldorfer tanzhaus nrw lümmeln sich die Paare in weißen Gartenstühlen. Eine Wand im Hintergrund trägt die aus Klebeband gestaltete Aufschrift: «closed». Eine geschlossene Gesellschaft, die in entspanntem Ambiente Wiedersehen feiert.
Die Besetzung aus Pina Bauschs Opus magnum «Café Müller» (1978) – ohne die Pina-Figur – kommt in Fabien Priovilles ironischer Fortsetzung «La Suite» noch einmal zusammen.
Der Tänzer und Choreograf, der viele Male in dem Klassiker auf der Bühne stand, will offene Fragen klären. Er hatte mal den Part von Jan Minarik inne, der damals Malou Airaudo und Dominique Mercy unermüdlich in einer Umarmung zu verbinden suchte. Mit «La Suite» hofft der Franzose, mit seiner Wuppertaler Vergangenheit, die ihn wie ein Echo verfolgt, endlich abzuschließen.
Ist es nicht vermessen, ein solches Werk anzupacken? Oder ist es erfrischend selbstbewusst angesichts der inflationären Pina-Huldigungen im Wuppertaler ...
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In Tallinn, Estlands Hauptstadt, wurde Skype erfunden. In der alten Unterstadt bewundern Touristen die historischen Gilde-Säle dieser einst von Lübeck aus gegründeten Hansestadt. In einem der Häuser, dem Kanuti-Gildi-Saal, versammelten sich im Mittelalter die Goldschmiede, die Uhrmacher, die Kunstmaler – die Elite unter den Handwerkern. Seit 16 Jahren tanzen hier...
Der berufliche Tanz ist nicht unbedingt der private. Wenn ich nach einer Vorstellung die Möglichkeit zum Tanzen vorfinde, denke ich manchmal: «Danke, hab ja schon.» Als noch die Sonne schien, verspürte ich auf einer Marathonveranstaltung beim Dortmunder Festival «Favoriten» nach zwölf Stunden Dauertanz nur noch einen Wunsch: mit dem Rollstuhl an eine Bar gebracht...
Pomp, Pose, Pathos: Yuri Grigorovichs Version des Balletts «Spartacus» staffiert den Heldenmythos mit all jenen Zutaten aus, die Publikumswirksamkeit garantieren und den Vorgaben des sozialistischen Realismus genügen, die der Choreograf gern übererfüllte (vgl. auch tanz 1/17). Pomp, den schuf Grigorovichs Ausstatter mit martialisch zugerichteten Kämpfern: Schwert...
