Bangalore
Die Zeiten haben sich geändert. Die Holzstühle und -tische, Wahrzeichen des deutschen Tanztheaters, sind aus dem Café Müller verschwunden. Ebenso die gläserne Drehtür, durch die man die rothaarige Frau im Geiste noch hereinstöckeln sieht. Bei der Uraufführung im Düsseldorfer tanzhaus nrw lümmeln sich die Paare in weißen Gartenstühlen. Eine Wand im Hintergrund trägt die aus Klebeband gestaltete Aufschrift: «closed». Eine geschlossene Gesellschaft, die in entspanntem Ambiente Wiedersehen feiert.
Die Besetzung aus Pina Bauschs Opus magnum «Café Müller» (1978) – ohne die Pina-Figur – kommt in Fabien Priovilles ironischer Fortsetzung «La Suite» noch einmal zusammen.
Der Tänzer und Choreograf, der viele Male in dem Klassiker auf der Bühne stand, will offene Fragen klären. Er hatte mal den Part von Jan Minarik inne, der damals Malou Airaudo und Dominique Mercy unermüdlich in einer Umarmung zu verbinden suchte. Mit «La Suite» hofft der Franzose, mit seiner Wuppertaler Vergangenheit, die ihn wie ein Echo verfolgt, endlich abzuschließen.
Ist es nicht vermessen, ein solches Werk anzupacken? Oder ist es erfrischend selbstbewusst angesichts der inflationären Pina-Huldigungen im Wuppertaler ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wer ein Buch mit dem Titel «Rudolf Nurejew. Die Biographie» versieht, erweckt den Anschein, Werden und Wirken des Startänzers mehr oder weniger umfassend geklärt zu haben. Sonst stünde da schließlich eine bescheidenere Formulierung, etwa «Eine Biografie». In Nurejews Fall liegen bereits etliche als «Die Biographie» annoncierte Lebenspanoramen vor, nun packt Jan...
Ein heulendes Häuflein Elend kauert da in der Ecke. Die private Kamera dokumentiert diesen wie so viele andere, glückliche und unglückliche Momente. Hier ist es die Mutter, die Tränen vergießt, weil sie den gerade mal 13-Jährigen verlassen muss. Das Ausnahmetalent wird allein in London bleiben, an der Royal Ballet School auf Anhieb drei Klassen überspringen, später...
Ricardo Fernando trägt die brasilianische Sonne im Herzen. Wenn auf seiner Stirn düstere Wolken aufziehen, ist die Lage ernst. Am Theater Hagen ist die Lage ernst: Intendant, Generalmusikdirektor, Jugendtheaterleiter und mit Fernando nun auch noch der Ballettdirektor und Chef-Choreograf gehen zum Spielzeitende (tanz 12/16 und 1/17). Der 46-Jährige übernimmt in...
