Leipzig: Jeroen Verbruggen «Dornröschen»
Dass der Schlaf der Vernunft manchmal Ungeheuer gebiert, ist nichts Neues. Schon Goya hat das in seinen Radierungen thematisiert. Auch einige Märchen handeln davon, und das bekannteste ist «Dornröschen», das in der Sammlung der Brüder Grimm harmloser erscheint, als es in Wirklichkeit ist. In der ursprünglichen Vorlage von Charles Perrault, der auch Tschaikowskys Ballett zugrunde liegt, sieht das noch ganz anders aus.
Da ist von erotischen Anfechtungen die Rede, von einer vollzogenen Hochzeitsnacht, von einer Tochter namens «Aurore», vor allem aber von einer Schwiegermutter, die sich am Ende als wahre Menschenfresserin entpuppt.
Bereits Jean-Christophe Maillot hat 2001 weniger das Märchen als vielmehr ebenso symbolkräftig wie suggestiv die Vergewaltigungsängste von «La Belle» inszeniert, die sich noch ganz jungfräulich wie in einer Fruchtblase einer erregten Männerwelt gegenüber sieht. Jeroen Verbruggen, viele Jahre unter Maillots Ägide eine der prominentesten Solistenpersönlichkeiten der Ballets de Monte-Carlo, wird in seinem Leipziger «Dornröschen» nicht ganz so deutlich. Aber schon der Untertitel seiner Einstudierung («Once Upon a Time») lässt darauf schließen, dass er nicht die ...
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Tanz Februar 2020
Rubrik: Kritik, Seite 42
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