Leichte Muse, großer Blues

Der Choreograf Marco Goecke fragt mit Gauthier Dance im Stuttgarter Theaterhaus «Lieben Sie Gershwin?»

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Ein kurzer Moment der Erlösung: Die kleine Frau schmiegt sich an die Brust der großen, beider Haarknoten schimmern im Licht, das von oben auf ihre Silhouetten herabfällt. So stehen sie, Schwestern, Liebende, Freundinnen, Leidensgenossinnen – was auch immer. Es ist egal. Sie haben den einen, den flüchtigen Augenblick erwischt, in dem sie einander alles geben, sagen, gewähren können: Trost, Zuspruch, eine Atempause. Sind ihre Augen geöffnet, geschlossen? Wir erfahren es nicht. Ihre abgewandten Gesichter verlieren sich in der Tiefe des Raums.

Während wir nur das Lichtspiel auf den Scheiteln bestaunen können – und allein bleiben, mitten im Parkett des Stuttgarter Theaterhauses. Mehrere Meter klaffen hier zwischen den Menschen. Umso existenzieller wirkt die Umarmung auf offener Bühne, in der Garazi ­Perez Oloriz und Anneleen Dedroog versinken. Es ist die einzige des ganzen Abends. Ein Unikat, mit dem «Lieben Sie Gershwin?» ins finale neunte Kapitel eintritt. Da ist Marco Goeckes Choreografie längst über Berg und Tal gewandert und hat Ausblicke auf eine Körperkunstlandschaft eröffnet, die ihresgleichen sucht.

Obwohl die Produktion an sich eine schiere Verlegenheitslösung ist. Im April ...

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Tanz November 2020
Rubrik: Produktionen, Seite 10
von Dorion Weickmann

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