Leichte Muse, großer Blues
Ein kurzer Moment der Erlösung: Die kleine Frau schmiegt sich an die Brust der großen, beider Haarknoten schimmern im Licht, das von oben auf ihre Silhouetten herabfällt. So stehen sie, Schwestern, Liebende, Freundinnen, Leidensgenossinnen – was auch immer. Es ist egal. Sie haben den einen, den flüchtigen Augenblick erwischt, in dem sie einander alles geben, sagen, gewähren können: Trost, Zuspruch, eine Atempause. Sind ihre Augen geöffnet, geschlossen? Wir erfahren es nicht. Ihre abgewandten Gesichter verlieren sich in der Tiefe des Raums.
Während wir nur das Lichtspiel auf den Scheiteln bestaunen können – und allein bleiben, mitten im Parkett des Stuttgarter Theaterhauses. Mehrere Meter klaffen hier zwischen den Menschen. Umso existenzieller wirkt die Umarmung auf offener Bühne, in der Garazi Perez Oloriz und Anneleen Dedroog versinken. Es ist die einzige des ganzen Abends. Ein Unikat, mit dem «Lieben Sie Gershwin?» ins finale neunte Kapitel eintritt. Da ist Marco Goeckes Choreografie längst über Berg und Tal gewandert und hat Ausblicke auf eine Körperkunstlandschaft eröffnet, die ihresgleichen sucht.
Obwohl die Produktion an sich eine schiere Verlegenheitslösung ist. Im April ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2020
Rubrik: Produktionen, Seite 10
von Dorion Weickmann
Ihr erster und ihr letzter Auftritt fanden auf der Bühne des Mariinsky-Theaters statt, das damals im Kalten Krieg und im nachfolgenden Tauwetter noch Kirov hieß. Dazwischen hatte sich Natalia Makarova – 1970 im Westen geblieben – eine Karriere als internationaler Gaststar, etwa beim American Ballet Theatre und beim Royal Ballet, aufgebaut und endlich mit modernen...
Wolkenkratzer schießen in die Höhe, und am Schwanensee werden Industrieanlagen gebaut. Siegfrieds Vater ist Industriemagnat und paktiert mit Rotbart, dessen Schlägertrupps dem Sohn auflauern. In Angelin Preljocajs neuer «Schwanensee»-Version bleibt wenig Raum für Romantik. Der Abend beginnt mit der Verwandlung Odettes (Théa Martin) in einen Schwan, ganz ohne Magie....
Impressum
tanz
Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance
Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Sofie Goblirsch, Hartmut Regitz, Marc Staudacher, Dorion Weickmann (Leitung), Arnd Wesemann
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel. +49-(0)30-254495-20, Fax -12
Gestaltung &...
