Leichte Muse, großer Blues
Ein kurzer Moment der Erlösung: Die kleine Frau schmiegt sich an die Brust der großen, beider Haarknoten schimmern im Licht, das von oben auf ihre Silhouetten herabfällt. So stehen sie, Schwestern, Liebende, Freundinnen, Leidensgenossinnen – was auch immer. Es ist egal. Sie haben den einen, den flüchtigen Augenblick erwischt, in dem sie einander alles geben, sagen, gewähren können: Trost, Zuspruch, eine Atempause. Sind ihre Augen geöffnet, geschlossen? Wir erfahren es nicht. Ihre abgewandten Gesichter verlieren sich in der Tiefe des Raums.
Während wir nur das Lichtspiel auf den Scheiteln bestaunen können – und allein bleiben, mitten im Parkett des Stuttgarter Theaterhauses. Mehrere Meter klaffen hier zwischen den Menschen. Umso existenzieller wirkt die Umarmung auf offener Bühne, in der Garazi Perez Oloriz und Anneleen Dedroog versinken. Es ist die einzige des ganzen Abends. Ein Unikat, mit dem «Lieben Sie Gershwin?» ins finale neunte Kapitel eintritt. Da ist Marco Goeckes Choreografie längst über Berg und Tal gewandert und hat Ausblicke auf eine Körperkunstlandschaft eröffnet, die ihresgleichen sucht.
Obwohl die Produktion an sich eine schiere Verlegenheitslösung ist. Im April ...
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Tanz November 2020
Rubrik: Produktionen, Seite 10
von Dorion Weickmann
Kein Laut. Alles schläft. Nur die drei Nornen sind allgegenwärtig, langhaarig, bärtig, in weißen Tutus auf ihren Stühlen sitzend: «Ladies of Time», wie Christian Spuck sie nennt, die im weiteren Verlauf des Abends immer wieder Uhren aus den Taschen ihrer schwarzen Fräcke hervorziehen, um zu wissen, wem die Stunde geschlagen hat. Die hohe Flügeltür öffnet sich, und...
Juliane Banse, Ihre «Winterreise» ist in jeder Hinsicht wagemutig. Sie singen Schuberts Liederzyklus nicht nur, den man sonst eher von Tenören hört, sie tanzen ihn auch. Wie geht beides zusammen? Besser, als ich zunächst gedacht habe. Sich gleichzeitig auf den stimmlichen Ausdruck und das Füllen der Bewegung zu konzentrieren, brauchte ein bisschen Zeit. Inzwischen...
Sie wurden von Tanz ist KLASSE!, dem Education-Programm des Staatsballett Berlin, eingeladen, in zwei separaten Workshops (1. und 15. November) mit Profis und Amateuren eine Choreografie zu erarbeiten. Eine erfreuliche Abwechslung in Zeiten von Video-Konferenzen und Abstandsverordnungen ... Allerdings. Es ist leichter, sich mit Bewegungen auszudrücken als mit...
