Geburtstag: Natalia Makarova
Ihr erster und ihr letzter Auftritt fanden auf der Bühne des Mariinsky-Theaters statt, das damals im Kalten Krieg und im nachfolgenden Tauwetter noch Kirov hieß. Dazwischen hatte sich Natalia Makarova – 1970 im Westen geblieben – eine Karriere als internationaler Gaststar, etwa beim American Ballet Theatre und beim Royal Ballet, aufgebaut und endlich mit modernen Choreografen wie Jerome Robbins oder Maurice Béjart gearbeitet. Zudem brachte sie «La Bayadère» erstmals in den Westen, in einer bis heute vielgespielten Fassung.
Die eher kleine Tänzerin wurde als Lyrikerin und Adagio-Interpretin mit subtiler Phrasierung, mit schönen Armen und einem ausdrucksvollen Oberkörper berühmt. Odette und Giselle waren ihre schönsten Rollen, aber sie liebte auch das dramatische Ballett und wurde mit ihrer Spontaneität und ihrem Furor zur Primaballerina assoluta der 1970er- und 80er-Jahre. Bei aller Kritik an der Langeweile des Sowjet-Repertoires war sie doch beseelt von der großen Tradition ihrer Kunst, die sie als selbstbewusste, stolze Exil-Russin zahlreichen jüngeren Ballerinen der westlichen Welt vermittelte. Sie tanzte am Broadway, trat als Schauspielerin auf, arbeitete fürs Fernsehen und ...
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Tanz November 2020
Rubrik: Side Step, Seite 17
von Angela Reinhardt
Man traf sie immer zufällig, mal in einem Café in Teheran, mal in einer Hotelbar in Reykjavík oder auf einem Basar in Tunis. Weltgereist wie sie war, mit ihrem schalkhaften Lachen im faltig-schönen Gesicht, wurde sie zu einem Idol. Die Stationen, die der 1950 Geborenen zur Berühmtheit verhalfen, sind schnell aufgezählt. 1980 schuf sie das Künstlerhaus DeSingel in...
Ein kurzer Moment der Erlösung: Die kleine Frau schmiegt sich an die Brust der großen, beider Haarknoten schimmern im Licht, das von oben auf ihre Silhouetten herabfällt. So stehen sie, Schwestern, Liebende, Freundinnen, Leidensgenossinnen – was auch immer. Es ist egal. Sie haben den einen, den flüchtigen Augenblick erwischt, in dem sie einander alles geben, sagen,...
Kein Laut. Alles schläft. Nur die drei Nornen sind allgegenwärtig, langhaarig, bärtig, in weißen Tutus auf ihren Stühlen sitzend: «Ladies of Time», wie Christian Spuck sie nennt, die im weiteren Verlauf des Abends immer wieder Uhren aus den Taschen ihrer schwarzen Fräcke hervorziehen, um zu wissen, wem die Stunde geschlagen hat. Die hohe Flügeltür öffnet sich, und...
