Laura Leora Witzleben «1984 – Liebe im Spiegel»
1948 schrieb George Orwell die Blaupause für alle Dystopien: «1984». Im Staat Ozeanien hat sich ein Terrorregime etabliert, es herrscht ununterbrochener Kriegszustand mit den Nachbarstaaten, Lebensmittel sind rationiert, die Bevölkerung steht unter ständiger Kontrolle. Und damit jegliches Aufbegehren gleich im Keim erstickt bleibt, wird unablässig an der Sprache geschraubt, bis keine Worte für Widerstand mehr vorhanden sind.
Der aktuelle Bezug ist unübersehbar: In Zeiten, in denen Wladimir Putin den Krieg gegen die Ukraine als «Spezialoperation» verharmlost, Markus Söder gendergerechte Sprache verbietet oder Donald Trump Begriffe aus den Bereichen Diversity und Inklusion auf den Index setzt, ist Sprachpolitik immer auch Machtpolitik. In Bezug auf die Geschlechterverhältnisse ist Orwells Vision allerdings deutlich in die Jahre gekommen: Als Widerstandspaar etabliert sie Winston und Julia, er intellektueller Analytiker, sie reines Triebwesen (das gegen Ende schnöde aus der Handlung verschwindet). Nachvollziehbar, dass Laura Leora Witzleben mit ihrer Tanztheaterversion nicht bei solchen Geschlechtszuschreibungen stehenbleiben will: Sie lenkt den Blick weg von der politischen Analogie, ...
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Tanz Mai 2025
Rubrik: Kalender, Seite 42
von Falk Schreiber
Es wird gefeilscht, was das Zeug hält: «Ich brauche einen charismatischen Tänzer – ich will Antoine Guillaume», sagt er, und prompt quert ein Ballerino mit Grands jetés en manège den Screen; «Ich will Anna», erwidert sie, und schon peitscht per Insert eine fouettierende Grazie heran … «wir befördern sie zur Solistin, das gibt eine großartige Story». Vom Kopfende...
Mit der englischen Sprache kommt man so ziemlich überall durch. Auf jeden Fall in der Tanzwelt, die sich faktisch interkontinental auf diese Weise verständigt – das Fachfranzösisch des Balletts ausgenommen. Während es im anglophonen Sprachraum – Australien, Großbritannien, Nordamerika – namhafte Magazine gab und noch gibt, blieb die Tanzpublizistik in Europa...
tanz. Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance
Herausgeber Der Theaterverlag – Friedrich Berlin GmbH
Redaktion Sofie Goblirsch, Johanna Rau, Falk Schreiber, Marc Staudacher, Dorion Weickmann (Leitung) Tel. +49-30-254495-20, Fax -12
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