La Divine: Marcia Haydée

Tanz - Logo

Von Göttlichkeit nicht die Spur, auch wenn Maurice Béjart für Marcia Haydée einst ein Greta-Garbo-Ballett namens «Divine» geschaffen hat. «Ich bin ein ganz normaler Mensch, keine Ikone», sagt die ehemalige Ballerina und Direktorin des Stuttgarter Balletts am Ende eines ausholenden, gleichwohl einfühlsamen Gesprächs. «Und das will ich auch weiterhin bleiben.» Kein Star, der sich in der eigenen Geschichte sonnt, eher eine charismatische Künstlerin, für die das «Immer-weiter-Gehen» gilt, das «Immer-weiter-Arbeiten», das sie zum Lebensmotto erkor.

Über dreißig Jahre hat sie Cornelia Stilling-Andreoli auf der Bühne beobachtet und in der Zeit alles zusammengetragen, was über Marcia Haydée jemals gesagt und geschrieben worden ist. Das macht die Lektüre ihres «Sammelbands» manchmal mühsam. Von erdrückender Fülle fehlt dem (nicht fehlerfreien) Buch die kritische Distanz. Es ist mit Liebe geschrieben, voll Bewunderung. Und es kommt der Muse von Cranko, MacMillan, Béjart, Neumeier, Tabori oder Ivo auf bewundernswürdige Weise nah, als sie dabei immer engere Kreise um das Phänomen Haydée zieht. Das Geheimnis der «Divine» kann aber auch die Autorin nicht ergründen. Das lässt sich am ehesten noch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2005
Rubrik: Magazin, Seite 16
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Gegenposition

Die überwiegende Mehrzahl der freien Choreografen mit eigenen Kompanien, die ihre Werke im Rahmen von Gastspielen zeigen, erhalten keinerlei Tantiemen. Im Gegensatz zu Frankreich, wo die SACD solche Rechte en bloc wahrnimmt, müssen Tanzschöpfer in Deutschland ihre Rechte bei den Bühnen und Verwertungsgesellschaften mühsam einzeln durchdrücken, ohne sich auf die...

Tunesien: die Geburt einer Tanznation.

«Sie sind Araberin? Dann machen Sie also arabischen Tanz?» Das hört Nawal Skandrani oft. Die Tunesierin hat eine schwedische Mutter, ist großbürgerlicher Herkunft, lebt unverheiratet mit einem Christen und ist erklärte Atheistin. Anstatt in Europa zu leben, entschied sie sich für ihre tunesische Hälfte. Vier Jahre lang leitete sie das Nationalballett in Tunis, NBT....

Tino Sehgal

Als im Herbst vergangenen Jahres der Kurator des deutschen Biennale-Pavillons in Venedig neben dem Maler und Bildhauer Thomas Scheibitz als zweiten Künstler Tino Sehgal nannte, da schauten Kenner der Tanzszene doch recht verwundert. War das nicht jener junge Choreograf, der zwei Jahre zuvor mit seinem Stück «Das 20. Jh.» aufgetreten war und splitternackt klassische...