Kunstmacher
Er hasst Fußnoten, diese winzigen Anmerkungen, mit denen sich wissenschaftliche Texte aufplustern und die doch nur allzu Bekanntes wiedergeben. Wiederholen will sich Johan Holten nicht, lieber produziert er neues Wissen. Der Mann mit dem federnden Schritt, der immer auf dem Sprung zu sein scheint, senkt die Stimme. Es klingt, als würde er erzählend eine Fußnote zu seiner Biografie setzen: «Ich bin viel zu ungeduldig, um mich jahrelang in ein Thema zu vergraben, deshalb habe ich nicht promoviert. Stattdessen habe ich lieber Ausstellungen organisiert.
» Dass der 44-Jährige keinen Titel als Doktor der Kunstgeschichte und kein Volontariat vorweisen konnte, fiel gar nicht so richtig auf, als er zum Direktor eines der bedeutenden Museen hierzulande, der Mannheimer Kunsthalle, gekürt wurde. Viel zu groß war das Interesse bei seinem Antritt im Herbst 2019 daran, dass er aus einer angesehenen Ökonomen-Familie in Kopenhagen stammt – seine Mutter war Präsidentin der dänischen Nationalbank. Sein Bruder verliebte sich schon als Junge in die Oper und war künstlerischer Leiter des Royal Opera House Covent Garden in London.
Für noch mehr Aufsehen sorgte, dass Johan Holten einst als Tänzer im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz August/September 2020
Rubrik: Menschen, Seite 14
von Antje Landmann
Zwar hat das Staatstheater Darmstadt vier Schauspieler und drei Tänzer aufgeboten für eine Inszenierung von Alexandra Badeas 2015 uraufgeführtem Stück «Ich schaue dich an (Je te regarde)», aber dann hat man das siebenfach Leibhaftige doch wegen Corona lieber in eine Konserve gepackt: Entstanden ist ein Film, der auf der Drehbühne des Theaters, aber auch in der...
Das ist ein herber Verlust für die Schweizer Tanzlandschaft. Die Kompanie Flamencos en route verabschiedet sich im Oktober von ihrem Publikum. Gründerin und Leiterin Brigitta Luisa Merki sieht sich zur Auflösung gezwungen, weil das Aargauer Kuratorium 2021 die jährlichen Förderbeiträge von 250 000 Schweizer Franken einstellen wird.
Das Aargauer Kuratorium...
Es ist schon ein absurder Spagat, den der Tanz einfordert. Zum einen sind Routine, Disziplin und das Streben nach Perfektion unerlässlich, um technische Höchstleistungen zu erbringen. Zum anderen brauchen wir Freiheit, Fantasie, Spontaneität und Inspiration, um künstlerisch überzeugend zu sein. Auf jeden Fall braucht es eine fast übermenschliche, überwältigende und...
