Kollektives Vergnügen
Und das zu Weihnachten! «Es schien», so rümpft der Reisende die Nase, «als sei am Heiligabend und unter religiösem Vorwand ein wahres Pandämonium losgelassen worden. Trunkenheit brach sich in Geschrei und bacchanalischen Orgien Bahn. Kein Auge konnte man zudrücken im Lärm dieser abscheulichen und feindseligen Saturnalien. Die Musiker fanden in einer Horde Betrunkener beiderlei Geschlechts ihr Publikum. Die Frauen waren von der billigsten Sorte. Alle tanzten, schrieen und klatschten in die Hände als ritte sie der Teufel.
Ich hatte es mit den Auswüchsen einer sogenannten Mitternachtsmesse zu tun, die in alle nur erdenklichen Stadien der Verkommenheit überging.» Wer ist der Autor dieses indignierten Berichts? Handelt es sich um einen womöglich in die Jahre gekommenen Touristen, der bei der Buchung des vielleicht allzu günstigen Pauschalurlaubs übersehen hat, wie nah sein Hotel an den Ballermann gebaut ist? Wird er von sangriaseligen Jugendlichen um den Schlaf gebracht, die ausgerechnet die Heilige, die Stille Nacht durch eine so lautstarke wie hemmungslose Orgie entweihen? Keineswegs: Diese Zeilen schossen einem namenlosen Engländer bereits im Jahr 1845 in die Feder, fernab der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Asketische Ekstasen im Tanz
Wie der Fußball aus dem Tanz entstand
Ein Kampf ist entbrannt zwischen Publikum und Kritikern. Tanzwellen schlagen hoch, wenn sich in Zürich zum «Modernen Ball» Hundertschaften aus dem Sessel erheben und selber das Tanzbein schwingen. Oder gestandene Männer in Bautzen die Daumen in ihre Gürtel zwängen, um sich in ein sogenanntes «Line Dancing» zu fügen. Oder in Hamburg auf Kampnagel sich am...
Rudolf Nureyev hat es gesagt: «Auf Technik greift man zurück, wenn einem die Inspiration ausgeht.» Das passt gut zum Portrait eines Tanzrebellen, den Aba Veblen im neuen Prachtband "Nurejew – Bilder eines Lebens" zeichnet.
Der im Henschel-Verlag erschienene, von Pierre-Henri Verlhac herausgegebene und von Vladimir Malakhov eingeleitete Fotoband zeigt vor allem...
Miro Magloire ist seinem Namen zum Trotz ein freischaffender Komponist aus Deutschland, der einst bei Mauricio Kagel in die Lehre gegangen ist. In der Ballettbranche kennt man ihn eher als einen Korrepetitor, der am Klavier wahre Wunder vollbringt. David Howard hat er begleitet, Lupe Serrano, Gelsey Kirkland, Kevin McKenzie und immer wieder Wilhelm Burmann,...
