Heldenstoff im Fokus
Rudolf Nureyev hat es gesagt: «Auf Technik greift man zurück, wenn einem die Inspiration ausgeht.» Das passt gut zum Portrait eines Tanzrebellen, den Aba Veblen im neuen Prachtband "Nurejew – Bilder eines Lebens" zeichnet.
Der im Henschel-Verlag erschienene, von Pierre-Henri Verlhac herausgegebene und von Vladimir Malakhov eingeleitete Fotoband zeigt vor allem den Lebemann Nureyev: auf einer Gala mit Alain Delon, auf einer Party mit Sharon Stone, beim Tee mit seiner Tanzpartnerin Margot Fonteyn.
Der Tartar als Star steht da stets so ungezwungen heiter rum wie auf Proben oder kurz nach seinen Auftritten.
Er war ein Weltrekordler der Tanzgala, ein Alchimist im Heilkräutergarten der Ballett-Tradition, ein Männerversteher, der jede Partie in die Gewinnzone brachte – das ist der sichtbare, fotografierbare Heldenstoff für Menschen, die gern Menschen auf Fotos anschauen.
In Wahrheit riss Nureyev unermüdlich Mauern zwischen Moderne und Ballett ein, vermittelte zwischen den Medien und der wenig mondänen Klausur im Ballettsaal, bekehrte 5000 Zuschauer am Abend im Pariser Palais du Sport zu Ballettverrückten – aber wie soll man das zeigen?
Er konnte das Ballett vermarkten, ohne es zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
Nurejew, eine erzählte Biografie
Der Blick hinter die Kulissen der Pariser Oper
Warum Turniertänzer und Ballerinen immerzu lächeln
Roberto Bolle alla Scala
Man stelle sich vor, der Intendant eines Dreisparten-Hauses würde, um bei Einsparungen im Etat die Qualität von Tanz und Schauspiel zu erhalten, die Oper schließen. Ein Aufschrei ginge durch die Republik. Wird aber die Tanz-Sparte am Haus «abgewickelt», wie es heutzutage heißt, herrscht nichts als Schweigen. So weitgehend unbemerkt schafft auch das Theater Bonn...
Ein Kampf ist entbrannt zwischen Publikum und Kritikern. Tanzwellen schlagen hoch, wenn sich in Zürich zum «Modernen Ball» Hundertschaften aus dem Sessel erheben und selber das Tanzbein schwingen. Oder gestandene Männer in Bautzen die Daumen in ihre Gürtel zwängen, um sich in ein sogenanntes «Line Dancing» zu fügen. Oder in Hamburg auf Kampnagel sich am...
Philosophie macht Spaß, Tanztheater auch. Das ist das Motto von Marcia Barcellos und Karl Biscuit, den Gründern von Système Castafiore. Die beiden sind angetreten, um mit den Waffen der Kunst der entzauberten Welt wieder etwas Poesie einzuhauchen.
No more heroes? Das gibt es nur noch in der braven guten Kinderstube, die sich vor falschen Vorbildern schützen soll,...
