Körper-Archive
Man nehme die Metro bis zur Endstation, frage sich in einem Neubaugebiet durch, gelange so an einen Universitätscampus, überquere eine Durchgangsstraße, wandere an stillgelegten Fabrikhallen vorbei und stehe schließlich vor der «Garage». Diese abgelegene Außenspielstätte des Choreografischen Zentrums von Rennes, Hauptstadt der Bretagne, bietet bei aller Abgeschiedenheit enorm viel Platz für etwas völlig Neues: Das Zentrum soll ein «Tanzmuseum» werden.
Zur Eröffnung dienen die vier riesigen Studios, die Flure, der Vorplatz, der Lagerraum, das Foyer einem Ausstellungsprojekt, das sich selber als zeitgenössischer Tanz betrachtet. Eine Ausstellung als Tanz.
Nicht umgekehrt: Man will den Tanz nicht im Museum ausstellen. Da wäre der Tanz denkbar schlecht «aufbewahrt». Das Museum soll auch nicht bloß Tanzort sein. Raphaëlle Delaunay, eine der beteiligten Künstlerinnen, macht von vornherein klar: «Ich will kein Museumsstück sein!» Wie ein Archiv gilt ein Museum als Ort der Rückschau, als Ort des Stillstands, des Monumentalen, des Überlebten. Der Tanz selber wäre schon vorbei. Trotzdem will man ihn bewahren. Aber wie?
Diese Frage steht am Anfang. Boris Charmatz ist der Direktor des ...
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