Körper-Archive
Man nehme die Metro bis zur Endstation, frage sich in einem Neubaugebiet durch, gelange so an einen Universitätscampus, überquere eine Durchgangsstraße, wandere an stillgelegten Fabrikhallen vorbei und stehe schließlich vor der «Garage». Diese abgelegene Außenspielstätte des Choreografischen Zentrums von Rennes, Hauptstadt der Bretagne, bietet bei aller Abgeschiedenheit enorm viel Platz für etwas völlig Neues: Das Zentrum soll ein «Tanzmuseum» werden.
Zur Eröffnung dienen die vier riesigen Studios, die Flure, der Vorplatz, der Lagerraum, das Foyer einem Ausstellungsprojekt, das sich selber als zeitgenössischer Tanz betrachtet. Eine Ausstellung als Tanz.
Nicht umgekehrt: Man will den Tanz nicht im Museum ausstellen. Da wäre der Tanz denkbar schlecht «aufbewahrt». Das Museum soll auch nicht bloß Tanzort sein. Raphaëlle Delaunay, eine der beteiligten Künstlerinnen, macht von vornherein klar: «Ich will kein Museumsstück sein!» Wie ein Archiv gilt ein Museum als Ort der Rückschau, als Ort des Stillstands, des Monumentalen, des Überlebten. Der Tanz selber wäre schon vorbei. Trotzdem will man ihn bewahren. Aber wie?
Diese Frage steht am Anfang. Boris Charmatz ist der Direktor des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was für ein Trieb: Acis wurde von einem Faun und der Nymphe Symæthis gezeugt. Genetisch ist er Wollust pur. So trifft er Galatea, weiß ist sie «wie Blütenschnee des Ligusters». Da kann Mann gar nicht anders, als in frugaler Metapher sich vom antiken Dichter Ovid ausstatten lassen: «mir hängt voll Obstes der Fruchtbaum; Mir glühn purpurne Trauben an lang...
Neue Residenzen
Am 3. Oktober wurde das Teatro San Materno in Ascona/Schweiz wiedereröffnet. Die Ausdruckstänzerin Charlotte Bara ließ es 1928 im Bauhausstil erbauen. Jetzt soll die von Domenico Lucchini und Tiziana Arnaboldis geleitete Bühne für 140 Zuschauer einer Verbindung von historischer Avantgarde und heutigen Bewegungskünsten dienen: als Laboratorium für...
Woran Menschen sich gern erinnern, sind die glücklichen Höhepunkte, eine Hochzeit, eine Geburt. Hier darf nie eine Maschine fehlen, die aus dem bewegenden Ereignis die Ikone formt: die Kamera. Das daraus gelöschte Bild soll auch aus dem Gedächntnis verschwinden. Die Bilder, die man herumschickt, repräsentieren ein Ideal, das an die Stelle des flüchtigen Ereignisses...
