Jenseits

Der gewaltige «polyphem» von Hubert Lepka

Tanz - Logo

Was für ein Trieb: Acis wurde von einem Faun und der Nymphe Symæthis gezeugt. Genetisch ist er Wollust pur. So trifft er Galatea, weiß ist sie «wie Blütenschnee des Ligusters». Da kann Mann gar nicht anders, als in frugaler Metapher sich vom antiken Dichter Ovid ausstatten lassen: «mir hängt voll Obstes der Fruchtbaum; Mir glühn purpurne Trauben an lang ausrankenden Reben». Orientalischer kann man körperliche Erregung auch gar nicht beschreiben.

Doch dieser hässliche, einäugige Polyphem, seines Zeichens ein Zyklop, hat es ebenfalls auf Acis abgesehen – Mann, Weib, Faun, Nymphe, die Konturen verschwimmen vor den 5000 Jahre alten Gedichtzeilen. Wo die reine Lust aber endlich ihren Höhepunkt findet, «lechzte der Fels auseinander; Frisch nun drang aus den Spalten ein hochgeschossenes Röhricht; Und dem gehöhleten Schlund’ entrauscht’ aufhüpfendes Wasser». So befreit, «erschien schön der Jüngling, mit Rohr die keimenden Hörner umgürtet: Der ... Acis war.» Erst im Geschlechtlichen kommt einer zu sich selbst, und so eine schöne Lust gefällt auch dem österreichischen Monumentalchoreografen hubert lepka, der dieses Ballett-Idyll einem Bauunternehmer jüngst zum 50-jährigen Firmenjubiläum in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2009
Rubrik: Jenseits, Seite 82
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Aus Beirut

Ein Dokumentarfilmemacher, Ahmad Ghossein, 1981 in Beirut geboren, holte soeben in Jeju, Südkorea, die Goldmedaille für die beste Tanzimprovisation. Nach seinem Debüt im dänischen Fernsehen mit «An Arab Comes to Town» (2008) bekam er den Tanzpreis kurz vor Drehbeginn zu seinem ersten Spielfilm. Ghossein, das Wunderkind, ist natürlich keins. Wie viele...

Neue Häuser

Neue Häuser 

wollen betanzt werden. Sasha Waltz ist berühmt dafür. Während ihres Stipendiums in der Villa Massimo in Rom sah sie die Baustelle der berühmten britischen Architektin Zaha Hadid. Sie schafft dort eine flexible Museumslandschaft: das Museo nazionale delle arti del XXI secolo, MAXXI (Foto), in der Via Guido Reni: ein laborartig konzipiertes Museum, das...

Schwanensee Revisited

Unglaublich: ausgerechnet «Schwanensee» wurde für Tschaikowsky zur größten Enttäuschung seiner Karriere. Die Moskauer Uraufführung (1877) fiel bei Presse und Publikum durch. Das Ballett sei «so schwach, wie es kaum vorstellbar wäre», kritisierten die St. Petersburger Nachrichten, und eine Mäzenin des Komponisten befand alles schlicht für «sehr hässlich» und...