Jenseits
Was für ein Trieb: Acis wurde von einem Faun und der Nymphe Symæthis gezeugt. Genetisch ist er Wollust pur. So trifft er Galatea, weiß ist sie «wie Blütenschnee des Ligusters». Da kann Mann gar nicht anders, als in frugaler Metapher sich vom antiken Dichter Ovid ausstatten lassen: «mir hängt voll Obstes der Fruchtbaum; Mir glühn purpurne Trauben an lang ausrankenden Reben». Orientalischer kann man körperliche Erregung auch gar nicht beschreiben.
Doch dieser hässliche, einäugige Polyphem, seines Zeichens ein Zyklop, hat es ebenfalls auf Acis abgesehen – Mann, Weib, Faun, Nymphe, die Konturen verschwimmen vor den 5000 Jahre alten Gedichtzeilen. Wo die reine Lust aber endlich ihren Höhepunkt findet, «lechzte der Fels auseinander; Frisch nun drang aus den Spalten ein hochgeschossenes Röhricht; Und dem gehöhleten Schlund’ entrauscht’ aufhüpfendes Wasser». So befreit, «erschien schön der Jüngling, mit Rohr die keimenden Hörner umgürtet: Der ... Acis war.» Erst im Geschlechtlichen kommt einer zu sich selbst, und so eine schöne Lust gefällt auch dem österreichischen Monumentalchoreografen hubert lepka, der dieses Ballett-Idyll einem Bauunternehmer jüngst zum 50-jährigen Firmenjubiläum in ...
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