Köln on tour: Richard Siegal «New Ocean»
Mathematik ist nicht gerade die allererste Wissenschaft, die man gedanklich dem Tanz zuordnet. Aber Tatsache ist, dass nicht wenige Choreografen mit digitaler Hilfestellung operieren. Der vor genau zehn Jahren verstorbene Doyen des Postmodern Dance, Merce Cunningham, kam mit PC-generierten Tanzmustern ins Studio.
Die Generation der Enkel ist nun bei der algorithmusgesteuerten Ästhetik angelangt: Nachdem Wayne McGregor 2018 mit der «Autobiography» betitelten und kontingent gestalteten Auslegung seines eigenen Genoms (tanz 4/18) beeindruckte, taucht nunmehr Richard Siegals Ballet of Difference in einen «New Ocean»- ab – dirigiert von Datensätzen zur Klimaverschiebung aus den vergangenen 25 Jahren. Kein willkürlich gewähltes Datum, denn just 1994 brachte Cunningham sein Opus «Ocean» heraus, das Siegal als eine Art Matrix dient. So verweist das schneeweiße Bühnenbild, dessen Wände einen überdimensionalen Bodenreif einfassen, auf die kreisrunde Anordnung, in der Cunningham einst das Spiel mit Körperwellen und -wallungen wagte.
Aber Siegal ist kein Plagiator und auch kein postmoderner Spätzünder. Stattdessen hat er mit seinem Ensemble Bewegungsphrasen und -passagen in ...
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Tanz Dezember 2019
Rubrik: Kritik, Seite 41
von Dorion Weickmann
Sie wird erst einmal ein Jahr pausieren. Ab Februar 2020 vermerkt ihr Kalender keine Uraufführung, nur hier und da eine Einstudierung aus dem bereits verfügbaren Repertoire. Ansonsten will sie mehr Zeit fürs Nachdenken und für die Familie. Crystal Pite ist eine kluge Frau. Eine, die weiß, dass man sich nicht pausenlos verausgaben kann, ohne irgendwann im Leerlauf...
Warum ist Bill für mich so wichtig und inspirierend?
Weil es unvorstellbar ist, wie der Tanz heute ohne ihn aussehen würde. Bill hat uns eine neue Dimension eröffnet.
Weil er imstande ist, seine Begabung in fassliche, berührende Aktion umzumünzen.
Weil er seine Arbeit gemacht hat, sie weiterhin macht und auch künftig machen wird.
Weil er Tänzerinnen, Tänzer und...
Natürlich könnte man sagen, seine Interessen wären ihm schon in die Wiege gelegt worden; der Vater war schließlich Opernsänger, die slowakische Mutter im selben Theater Tänzerin. Andreas Heise, noch zu DDR-Zeiten in Halberstadt geboren, sieht das realistischer. «Ich war schon als kleiner Junge bei Proben dabei und habe vermutlich so ganz unbewusst viel von dem...
