Mauro de Candia
Als ich vor zwei Jahren entschied, meinen Vertrag über Juli 2021 hinaus nicht zu verlängern, ahnte ich natürlich nicht, dass Monate später Covid-19 unser Leben bestimmen sollte. Damals verspürte ich nur die innere Notwendigkeit, mir mehr Zeit zum Nachdenken und Überdenken meiner Arbeit und meines Tuns überhaupt nehmen zu müssen. Überflüssig zu erwähnen, welch einschneidenden Einfluss diese Pandemie auf uns alle hatte. Als Leiter einer Company habe ich in dieser Zeit der Ungewissheit versucht, die menschliche Atmosphäre und Motivation so weit wie möglich aufrecht zu erhalten.
Denn für viele war es ein Problem, plötzlich die eigene Zeit nicht mehr planen und nicht absehen zu können, wann und wie man zur «Normalität» zurückkehren würde.
Mir persönlich ermöglichte die Corona-Pandemie viel Zeit und Raum zur intensiven Selbstreflexion und bot mir die großartige Gelegenheit, von dem täglichen Dauertempo, der Schnelllebigkeit herunterzukommen. Da stellte ich mir schon die Frage: Ist dieses «immer schneller, immer mehr erreichen wollen in immer kürzerer Zeit» nötig, wichtig? Machen wir uns nicht zu Opfern unseres Systems?
Covid-19 hat uns alle zum «Hin-Hören» gezwungen – zur Wahrnehmung ...
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Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Pandemie, Seite 114
von
Menschen wirken auf Räume ein, gestalten sie, eignen sie sich an und hinterlassen Spuren. Gleichermaßen wirkt der Raum auf den Menschen ein, ermöglicht Begegnung, aber verhindert sie auch. Diese Wechselbeziehung zwischen Raum und Mensch gilt für alle Räume, sei es ein Sakralraum, ein Theater, das eigene Zimmer, eine Schrebergartenkolonie oder eben der städtische...
«Wenn ich einen Tanz oder irgendeine Art von Werk plane, kann ich das nicht umsetzen, bevor ich den Raum verstanden habe», sagt Maria Hassabi, die in Athen ebenso zu Hause ist wie in New York. Die 48-jährige, auf Zypern geborene Choreografin und Künstlerin ist eine Spezialistin für die Raumzeit-Verhältnisse der menschlichen Wahrnehmung. Unsere Sinne brauchen Zeit:...
«Erfinden besteht in der Fähigkeit, das Potenzial eines Stoffes zu erfassen, und in dem Talent, Gedanken zu formen und zu gestalten, die ihm entsprechen.» Dieser Satz, von Mary Shelley 1831 mit Bezug auf das sprichwörtliche «Ei des Kolumbus» im Vorwort zu ihrem «Frankenstein»-Roman formuliert, lässt sich trefflich auf diese vermeintlich simple Kreation eines...
