Sidi Larbi Cherkaoui: Sutra

Tanz - Logo

Wer die siebzehn Shaolin-Mönche aus Henan in China gesehen hat, vergisst sie nicht so schnell. Da sitzt vorn der 12-jährige Kung-Fu-Novize Dong Dong mit verschränkten Beinen gegenüber einem Mastermind, dem belgischen Choreografen Sidi Larbi Cherkaoui. Beide beugen sich über das Modell einer Bühne, die der Turner-Preisträger Antony Gormley entworfen hat: Hell und groß ist der Raum. Darin stehen schlichte, mannshohe Kisten, die mal an Särge, mal an Tische, Betten, Schränke, Regale, Wallanlagen erinnern.

Mit jedem Zug, den das ungleiche Paar auf dem Spielbrett ausführt, mit jedem Neuarrangement der Bauklötzchen beginnt auch die Bühnenarchitektur zu tanzen. Die in den Kisten lauernden Mönche arrangieren die Landschaft ganz nach Vorschrift ständig neu und gehen dabei restlos elegant vor, blitzschnell mit einer Bewegungsökonomie und militärischen Präzision, wie sie nur Kung-Fu-Meister beherrschen.

Daheim veranstalten diese Shaolin-Mönche am Berg Songshan in die Provinz Henan ein gewaltiges «Zen Music Shaolin Grand Ceremony Spektakel». Bei uns in Europa wenden sie sich mit plakatschreienden Shows wie «Die Rückkehr der Shaolin» an die Bruce-Lee-Fantasien ihres Publikums. Deren Kampfkunst, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen
Weitere Beiträge
Ivo Dimchev

Wenn sich etwas (oder jemand) als «Bruch» präsentiert, sollte man ihm miss-trauen. Weil die Theater und Festivals zwar neu, anders und radikal sein, doch immer ihre Zuschauermassen befriedigen müssen, zeigen sie jeden Künstler, der verspricht, nicht nur nackt zu sein (was längst nicht mehr radikal ist), sondern weiter zu gehen, nämlich der eigenen Haut treu zu...

Helena Waldmann / Alain Platel

Politisch und ästhetisch unabhängig, scheint die Kunst nur der Kunst zuliebe zu leuchten. Aber Künstler sollten ihr Recht wahrnehmen, ihre klaren Aussagen zu formulieren und ihre Arbeiten als ein Forum zu benutzen, um Alternativen zu denken, um ein Bewusstsein zu schaffen für das Andere, für andere Lebenskonzepte und Kulturen. Dass der Tanz dabei ohne viel Worte...

Eine Tänzerin verschwindet

Eisiger Wind fegt über den Friedhof Montmartre. Warum nur lässt sich dieses Grab nicht mehr finden, es war doch irgendwo in der Nachbarschaft von Théophile Gautier, nicht weit von der Ruhestätte der Brüder Goncourt? Oder doch näher bei Heinrich Heine und Hector Berlioz? Komischerweise ist es auch vom Friedhofsplan verschwunden.

Da erscheint hinter der nächsten...