Die Kopie der Geschichte
Tanz braucht eine Geschichte, auf die er, wie andere Kunstformen auch, zurückgreifen kann – war dies ein Motiv für Ihre Arbeit?
Millicent Hodson: Die Tanzgeschichte ist sehr stark mit dem Thema Verlust verknüpft. Daraus wurde sogar etwas Heroisches: Dass der Tanz deshalb wunderbar ist, weil er verschwindet. Ich persönlich möchte aber die Dinge sehen, die so wunderbar waren. Kenneth und ich trafen uns bei diesem Thema. Seine Position war: Was ist eigentlich Verlust? Wenn noch einige Dinge übrig sind, dann gibt es immer auch etwas, das man re-imaginieren kann.
John Neumeier: Den Tanz kennzeichnet, dass er gerade keine universelle, lesbare Form hat. Wenn man Musik studiert, kann man zumindest lernen, wie man die Musik des Mittelalters entziffert. Ähnliches gilt für Maler und Schriftsteller. Alles, was man als Tänzer lernt, wird physisch gezeigt, die Tradition des Tanzes wird über Personen weitergegeben. Wenn diese Linie unterbrochen wird, dann brauchen wir Leute, die diese Lücke schließen. Aber die Lücke selbst fasziniert mich an der Tanzgeschichte. Wenn ich an meine Lehrer und an die Lehrer meiner Lehrer denke – ich sehe immer nur Menschen, nie einfach nur Geschichte.
Kenneth Archer: ...
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